Kołczewo – Bremen (2101 km m.d.M.)

Epilog

Auf der Fähre gen polnische Grenze

Auf der Fähre gen polnische Grenze

Das wars schon wieder. Auf der Autobahn ziehen Wohnwagen und Schwerlaster an mir vorbei und die Kuh zieht mit 130km/h gen Norddeutschland. Ehrlich gesagt hasse ich diese Etappen, manchmal lassen sie sich aber schlecht vermeiden.

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Auf der Grenze

Extra früh auf den Beinen, um noch einmal in die Fluten der Ostsee zu springen, lud mein Akku randvoll für diesen anstrengenden Tag. Wir kamen schlecht los, weil der Campingplatz (ausgerechnet dieser eine, touristische mit Disco und Spielhalle) keine Plastikkarten bei der Bezahlung akzeptiert. Natürlich versagten uns daraufhin zwei weitere ATMs spontan den Dienst und es dauert eine gefühlte Ewigkeit, bis wir unseren dritten Mann an der Rezeption auslösen konnten. Das Zusammenpacken war schleppend – die Tour hing im Nacken und natürlich auch die Trauer über das viel zu frühe Ende. Dennoch blicke ich auf 8 Tage voller Abenteuer zurück, die manch einer wohl nicht mal in drei Wochen erlebt. Allen voran unsere Ausflüge durch das kaschubische Unterholz. Durch Wälder, an Seen vorbei, mitten im Wald oder entlang unendlicher Felder fuhren uns die Boxer treu und zuverlässig kreuz und quer hindurch dem polnischen Hinterland. Ein Hoch auf die 2-Zylinder, ein Hoch auf das Nomadenleben und ein Hoch auf uns.

Freut euch auf viele weitere Bilder die kommenden Wochen und natürlich den Film „Abenteuer in der Kaschubei“!

Bleibt sauBär!

Auf zur letzten Etappe

Auf zur letzten Etappe

 

 

 

Zaworyy – Kołczewo (1605 km m.d.M.)

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Raus aus den Synthetikfedern und ab auf den Kardanesel: der vorletzte Tag der Tour ruft. Nach der Etappe gestern soll es heute vor allem auf den Straßen vorangehen, der untergehenden Sonne entgegen in Richtung der deutsch-polnischen Grenze.

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Erfrischung von oben

So sieht’s aus, der Heimweg wird angetreten. Weil wir im Lauf der letzten Tage immer weiter Richtung Nordosten gedriftet sind, wird der Rückweg auf zwei Tage geteilt.

Um zwanzig nach zehn fahren wir vom Platz und kommen gut durch. Die polnische Landschaft, insbesondere die Seenplatte ist immer noch schön anzusehen. Als wir Mittagspause in einem kleinen Restaurant machen, fängt es an zu regnen, aber dank eines gnädigen Petrus‘ und einer Bedienung, die netterweise keinen Stress in unseren Urlaub bringen wollte, war der Schauer nach einer Portion Pirogen oder Bigos auch schon wieder vorbei.

Jays Fans: Empfangskomitee bei der Ankunft

Jays Fans: Empfangskomitee bei der Ankunft

Gegen halb sechs abends finden wir an der westlichen Grenze Polens einen Zeltplatz an der Ostsee, der uns nicht wegschickt, die Zelte werden routiniert aufgebaut, alle können einmal duschen und der kleine Campinggrill wird mit den letzten Kohlen in Gang gebracht.

Letzter Abend im Camp: traurig und glücklich zugleich

Letzter Abend im Camp: traurig und glücklich zugleich

Kaum sind die ersten Kielbasa von einer Seite fast fertig, fängt es wieder an zu schütten. Macht den Profibären aber nichts, im Regen grillt es sich doch gleich noch viel abenteuerlicher. Auch ein bisschen kälter und nasser, zugegebenermaßen. Aber auf jeden Fall auch abenteuerlicher. Und dass wir nicht einfach später den Grill nochmal angemacht haben, hatte auch nichts mit dem Mangel an Kohlen zu tun, sondern ausschließlich mit unserer über jeden Zweifel erhabenen Wetterfestig-, Männlich- und Naturzugehörigkeit.

Danach geht es noch einmal an den Ostseestrand. Der hat so laut nach uns gerufen, wir mussten aus reiner Empathie noch einmal vorbeischauen. Die Ostsee ist einfach wundervoll warm an den zerstochenen Füßen, der Sonnenuntergang wundervoll warm zu der baumelnden Seele.

Konzentration bei der Kartenarbeit

Konzentration bei der Kartenarbeit

Danach ab ins Bett. Also ab ins Zelt auf die Isomatte. Die touristisch erschlossene Gegend besticht nicht nur durch die rufende Ostsee, sondern auch durch mehrere
campingplatzeignene Diskotheken, deren Bass Drums durch die Pinien hallen. Aber zum Glück bin zumindest ich mit In-ear-kopfhörern ausgestattet, die nicht nur die Clubmusik dämpfen, sondern bei Bedarf auch brauchbare Musik einstreuen können.

Und weil die Tour fast zu Ende ist, darf ich da
s große Tourrätsel ankündigen. Unter allen richtigen Antworten wird eine wundervolle kleine, nahezu authentische Statue aus der Kaschubei verlost. Die Frage dieses Jahr ist: was haben Donald Tusk und Günther Gras gemeinsam?
Schreibt uns hier, per Whatsapp, SMS, ruft an oder emailt…. viel Erfolg!!

 

Zawory – Golubie – Zawory (1359 km m.d.M.)

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Während der gestrige Tag, und der davor, ganz im Zeichen der Entspannung stand, was auch nicht verkehrt ist, zog es uns heute wieder abseits der Straße. Auf dem Programm stand die letzte Enduro-Wanderung!

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ein Paradies für Stollenritter

Schnell waren Helm und Stiefel übergezogen, so dass die Reifen nach wenigen Kilometern mit Dreck in Kontakt kommen.

Auf uns warten feine Trassen durch den Wald! Einmal um das Dörfchen Zawory umzu und zurück.  Zügig geht es voran, im Gegensatz zu den vorherigen  Etappen ist das Erdreich deutlich fester und angenehmer zu fahren. Sichtlich entspannter ist auch Jannis unterwegs, der wie Malte und ich die Koffer auf dem Zeltplatz in Zawory ließ. Kontrolliertes Ausbrechen des Hecks und gekonnte Bremsmanöver hinterlassen immer wieder ein breites Grinsen in unseren Gesichtern.

Tokio Drift

Tokio Drift

Kurz vor Ende der Trasse, das Navi zeigt noch knappe 10 km Restweg an, verdunkelt sich der Himmel schlagartig. Wind zieht auf, es wird ungemütlich. Noch bevor wir das weitere Vorgehen besprechen können, werden wir vom einsetzenden Regen überrascht und können uns gerade noch so auf den Parkplatz eines Supermarktes retten. Die unfreiwillige Pause nutzen wir für ein paar Einkäufe und entscheiden uns notgedrungen abzubrechen und zum Zeltplatz zurückzukehren. Schade, die letzten Wege abseits befestigter Straßen hätten wir noch gern mitgenommen.

Typisch für diese Region: 2-sprachige Ortsschilder (polnisch + kaschubisch)

Typisch für diese Region: 2-sprachige Ortsschilder (polnisch + kaschubisch)

Sopot – Zawory ( 1304 km m.d.M.)

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Morgens aus den Federn, kein anderer ist wach… also habe ich massig Zeit, verzweifelt die Kontaktlinsen (die ich mir in Sopot geholt habe, nachdem ich meine Brille an die polnische Landschaft verloren habe) irgendwie in meine Augen zu drücken. Und um es euch wissen zu lassen: ich habe keine Dreiviertelstunde gebraucht und dabei nur zwei Stück in den Dreck geschmissen – und Petz musste (anders als gestern beim Linsendebut) auch nicht mehr assistieren. Ein stolzer Bub konnte danach auf die Gummikuh.

unser Camp für die nächsten 2 Tage

unser Camp für die nächsten 2 Tage

Dann los, eine angenehme Tour zurück nach Kaschubistan. Das Navi veranschlagt gut 50 km und 70 Minuten. Kein Offroad, dennoch schöne Landschaften. Ich freue mich drauf. Also auf den Bock und los und Stau und Stau und Stau und Stau und Stau. Und Stau. Die Landschaft verliert natürlich nicht an Schönheit, aber der Motor wärmt gut von unten und das Tempo unterhalb von „erster Gang im Standgas“ ist auf Dauer nicht wirklich angenehm in der linken Kupplungshand.

Piroggen am Mittag :)

Piroggen am Mittag :)

Der Campingplatz entlohnt aber letzten Endes auf ganzer Linie. Ein See, in den gesprungen werden kann, genug Platz für ein kleines Zeltrondell mit Sitzkreis in der Mitte, warme Duschen, eine malerische Landschaft drumrum. Fantastisch. Und heute ausnahmsweise auch ein wenig Zeit das Ganze zu genießen: Ankunft war gegen 14:00 Uhr, dann gab es erstmal Pirogen und eine Abkühlung, Malte konnte Petz noch helfen sein Abblendlicht wieder anzukriegen und aktuell bereiten wir ein Abendbrot aus Grillgut und Keksen von Patricks Oma zum Nachtisch vor. Um den Tag in vier Worten zusammenzufassen: Entspannung auf ganzer Linie.

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Sopot – Danzig – Sopot (1245 km m.d.M.)

Wohin man blickt - Danzig gibt sich fast immer postkartenreif

Wohin man blickt – Danzig gibt sich fast immer postkartenreif

viel Trubel in den Gassen

viel Trubel in den Gassen

Ich staune ganz schön als ich die Bilder von vor 70 Jahren am Eingangstor zur Altstadt betrachte. Danzig hat eine lange Geschichte und die ist auch von vielen traurigen und dunklen Phasen geprägt. Das Nazi-Regime und der russische Vormarsch haben das Bouquet von Backsteintürmen, herrlichen Fassaden und kleinen Gassen fast vollständig dem Erdboden gleichgemacht.

Herrliches Flanieren an der Promenade

Herrliches Flanieren an der Promenade

Nun, zu Beginn des neuen Jahrtausends blüht die Stadt jedoch erneut und erstrahlt in vielen Ecken neu und malerisch. Wie es so ist mit schönen Flecken auf der Erde, neigen solche Orte zur touristischen Überfütterung – da dies aber zeitgleich Nahrungsquelle der ehemals freien Stadt darstellt, bleibt es ein kleines Übel, das uns das Flanieren und Entdecken nicht allzu sehr schmälert.

Danzigs Partnerstadt: Bremen

Danzigs Partnerstadt: Bremen

Meine beiden Mitstreiter, deutlich mehr von nächtlichen Pivo-Strapazen gekennzeichnet als ich, gönnen sich eine kalte Pepsi an der Promenade, während ich ein paar Souvenirshops durchstöbere. Auch Petz, der schon oft die Stadt besuchte, ist erstaunt über die enorme Veränderung der letzten Jahre. Überall wird gebaut und investiert.

Die Rückfahrt geschieht auf einer Passagierfähre auf der Ostsee und lädt uns erneut in Sopot am Strand ab, nicht weit von unserer Lagerstätte. Ich mag diese „Off-days“ ohne Motorrad und viel Kultur. Sie laden den Akku, schützen vor Reisemüdigkeit und machen Vorfreude auf den Sattel, der uns morgen zurück in das Herz der Kaschubei bringt.

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Eindrücke aus Danzig

Lipa – Sopot (1245 km m.d.M.)

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Endlich in der Kaschubei, endlich am Ziel. Seit wir gestern die vorerst letzte Offroad-Etappe absolviert haben, ging es heute quer durch die kaschubische Schweiz.

Kleine Straßen Kilometer lang

Kleine Straßen Kilometer lang

Die Bezeichnung ist durchaus berechtigt: Serpentinen an Serpentinen, vorbei an malerischen Seen, Hügeln, Wäldern und netten Ortschaften, die hier alle mit einer zweisprachigen Beschilderung die Reisenden begrüßen, ging es immer weiter Richtung Norden an die Ostseeküste. Unser heutiges Ziel heißt Sopot, ein mondäner Badekurort mit hübschen Jugenstilvillen, direkt an der Uferpromenade und einer großen Mole. Wer jetzt glaubt, wir säßen in einer dieser Spa Hotels, der liegt falsch.

kurze Pause in der Kaschubei

kurze Pause in der Kaschubei

In alter Globetrottermanier nächtigen wir selbsverständli im Zelt! Den Strand haben wir aber auch vor der Nase. Gleich wird der Grill angeschmissen – morgen geht’s zum Sightseeing nach Danzig – Ausnahmsweise mit der Bahn.

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Lubieszewo – Lipa (1077 km m.d.M.)

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Arsch der Heide zum Busen der Natur

Ein Bett im Kornfeld

Ein Bett im Kornfeld

Nach einem anstrengenden Tag gestern und einer langen Nacht (weil wir wegen der Mücken alle frühzeitig ins Zelt geflüchtet sind) geht es also wieder auf die Kuh. Zuerst ganz ruhig auf die Fähre von dem wundervollen Inselzeltplatz wieder auf das Festland, dann lange über relativ gut ausgebaute Straßen in Richtung Norden. Das soll das Reiseerlebnis selbst nicht kleinreden… Polen ist einfach schön. Die Straßen schlängeln sich durch Kiefernwälder, die monumental zu beiden Seiten der Straße wachsen oder Dörfer, in denen einem die Leute von alten Treckern oder aus neuen Kinderwagen noch fröhlich zuwinken.

Marek versucht zu helfen...

Marek versucht zu helfen…

Der schönen Bilder halber soll es aber auch heute noch einmal in den Wald gehen: Petz kennt einen schönen Aussichtsturm, von dem man hoffentlich schicke Bilder schießen kann, auf denen wir durch die Waldwege pflügen. Also, nach einer Stärkung in Swornegaciec, wo es leckere Piroggen gab, wieder von der Straße. Durch den Wald in Richtung Aussichtsturm.

Schon der Weg zum Wald ist aber versperrt… Scheinbar von Kühen, tatsächlich aber von einer neuen Weide (auf der Kühe sind). Also zurück.

Und ab dem Punkt ist der Wurm in der Tour. Schon der Weg zurück zur Hauptstraße lässt uns alle durch den tiefen Sand schwimmen, bis ich mich schließlich in einer Kurve aus Sand langmache. Wieder auf den rechten Koffer, der wieder abreißt… meine Konstruktion aus Spanngurten hält allerdings. Ein netter Bauer, nennen wir ihn Marek (weil wir bei all dem Stress vergessen haben nach seinem Namen zu fragen), kommt und hilft uns, den Bock wieder aufzurichten und erzählt uns gleich noch, dass wir gerade an der alten (also Vorkriegs-) Grenze stehen. Kaum wieder auf der Kuh geht es weiter in die nächste Sandkuhle, ab auf die linke Seite. Marek kommt gleich hinterhergerannt, hilft uns nochmal, dieses mal mit einer Hand voll Kabelbindern, um die Koffer wieder zu fixieren. Und weiter… Zum Glück kommt nach zwei Kurven schon die nächste asphaltierte Straße. Aber die erreichen nur Petz und ich. Malte ist unter seinem Motorrad eingeklemmt.
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Nachdem wir endlich wieder auf der Straße sind, geht es, laut Patrick, „nur noch über Schotter“ um doch noch zum Aussichtsturm zu kommen.

Kurzer polnischer Snack

Kurzer polnischer Snack

Um es kurz zu machen: den Aussichtsturm haben wir nie gefunden, sind dafür aber durch jede Menge Sand und andere Unwegsamkeiten und bei einem weiteren Sturz hat es meinen rechten Kofferhalter auch an der vorderen Seite abgerissen, so dass er jetzt gar keine Verbindung zum Motorrad mehr hat, sondern nur noch von den Spanngurten gehalten wird.

Müde und erschlagen sind wir dann endlich – abends um halb 8 – am Zeltplatz und freuen uns auf ein kühles Bier und ein oder zwei Würste vom Grill. Aber der Platz ist angeblich voll bis unter die Dachluke und wir werden nicht reingelassen.

Traumhafter See

Traumhafter See

Anstatt den nächsten Campingplatz (weiß der Teufel wie weit weg) anzupeilen, fahren wir also ein paar hunder Meter wieder zurück und campen jetzt wild an einem See. Vor dem Haus von einem freundlichen Holländer, der Patrick einen Trottel nennt und ihn fragt, wie man so dumm sein kann, vor einem See nach einer Dusche zu fragen.

Ist ja auch mal was.

Und weil es hier am See jetzt Gegrilltes gibt, höre ich jetzt auf und esse ein wenig Kielbasa.

Trumhafter, einsamer Zeltplatz

Trumhafter, einsamer Zeltplatz

Kwilcz – Lubieszewo 777 Km m.d.M.

Breakfast at Sophias

Breakfast at Sophias

Tiefer Sand mach den Kühen zu schaffen

Tiefer Sand mach den Kühen zu schaffen

Die Augen kneifen. Es ist kaum noch möglich, den Staub ständig aus den Höhlen zu wischen. Seit einer geschlagenen halben Stunde stehen wir mitten im Wald, den Schweiß am ganzen Körper spürend und mit Notwerkzeug in der Hand. Jays Kofferhalterung ist gebrochen – und zwar mitten im Nirgendwo. Nun heißt es: Improvisieren. Das Einfachste ist erstmal, den Koffer direkt auf (!) das Bike zu schnallen und das übrige Gepäck bei Petz und mir zu verstauen.

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Jay vor dem Abgrund

Jay vor dem Abgrund

Vier Stunden vorher: Voller Tatendrang finden wir den Einstieg in unsere heutige Offroad-Etappe. Das Hinterrad wedelt vor Freude im Kies und rechts und links flanken uns Nadel- und Birkenwälder. Niemand sonst scheint diese Wege heute zu benutzen und wir machen ordentliche Kilometer mit fast 50km/h mitten im Gelände. Was für ein schönes Stück Natur. Nach und nach wird der Wald dichter und der Bodenbelag anspruchsvoller. Immer wieder durchqueren wir tiefe Sandkuhlen, die am Vorderrad reißen.

Irgendwie über den Fluss

Irgendwie über den Fluss

Rücksprache mit dem Förster

Rücksprache mit dem Förster

Durch das enorme Gewicht unserer Beladung schlingert sich das Heck in einen Panikmodus. Es dauert nicht lang und die erste Maschine liegt in der Waagerechten. Der Sand lässt uns weich fallen, doch das eigentlich Problem tritt erst infolge in Erscheinung: die vielen hundert Kilos wieder aufzurichten.

Ein Heide(n)Spaß

Ein Heide(n)Spaß

Nur mit vereinten Kräften schaffen wir es und noch viele, viele weitere Male heute. Die Navis haben längst den Dienst eingestellt, wir sind auf unsere Orientierung angewiesen und langsam verstehe ich auch, warum der Fährmann, der uns über den Fluss floßierte, meinte,er würde nie in diese massiv große Labyrinth von Wanderwegen und Trampelpfade fahren. Zu leicht ist es, sich hier zu verirren. Nach einer längeren Auffahrt stehe ich auf der höchsten Erhebung und blicke über einen große, grüne Wiese. Nun heißt es, sich in Erinnerung rufen, wie man unbeschadet solche eine Neigung herunter kommt. Mit klopfendem Herzen erreiche ich das Tal und grunze vor Erleichterung.

Endlich eine Fähre gefunden

Endlich eine Fähre gefunden

Wieder und wieder aufheben..

Wieder und wieder aufheben..

Jay erscheint oben – ich kann ihm leider keine Tipps zurufen und er legt los. Natürlich beginnt das Gewicht von hinten zu drücken und Jay verliert mehr und mehr die Kontrolle auf dem Weg nach unten. Was er macht, ist das einzig Richtige – auf der Ebene – am Gashahn ziehen. Hier am Abhang bewirkt es aber das Gegenteil: Jannis schießt auf die Sohle zu wie ein Skispringer gen Absprungspunkt. Er rast über den Scheitelpunkt mitten in die Wiese, wo sich jedoch eine enorme Bodenwelle befindet. Wie eine Rampe befördert sie Jay in die Luft und das 300 Kilo Motorrad hebt tatsächlich mit Gepäck und samt Jay vom Boden ab.

Mitten im Wald

Mitten im Wald

Die wilde Kuh will ihn abwerfen, aber – ich kann es immer noch nicht glauben – Jay bleibt im Sattel! Unfassbar. Er steht nun mitten in einer kniehohen Grasfläche, aber er steht. Patrick hinterher, nicht viel weniger spektakulär. Aber nach und nach manövrieren wir die Motorräder aus dem Krisengebiet und gelangen etwa eine Stunde später wieder auf Asphalt.

...und mitten im Wald: Koffer gebrochen :(

…und mitten im Wald: Koffer gebrochen :(

Später durchfahren wir den Drawski Nationalpark und geraten erneut auf stollenfreudigen Untergrund. Eigentlich fehlt uns längst sämtliche Energie zur Tour durch Enduristan, die Natur macht aber alles wett.

beim Losfahren schnell auf Tempo und schnell aufstehen

beim Losfahren schnell auf Tempo und schnell aufstehen

Es riecht nach Tannen und die leichten Stein-, Schotter- und Waldbodenstrecken fühlen sich fast nach einer Entlastung an. Traumhaft.Selten war ich körperlich so gefordert auf dem Motorrad. Aber Spaß ist eben nicht immer spaßig und am Ende der Etappe haben wir wahrscheinlich mehr erlebt, als so mancher auf einer ganzen Tour.

Die Zelte errichten wir auf einem ganz besonderen Campingplatz. Er befindet sich auf einer kleinen Insel, auf die uns ein Floß bringt. Nun sitzen wir im Schatten der BMWs, befeuern den Grill und blicken auf die roten Sonnenstrahlen, die sich im ruhigen Wasser spiegeln.

Zeltplatz auf einer Insel

Zeltplatz auf einer Insel

 

 

Bremen – Kwilcz (584 Km mit dem Motorrad)

Stillstand auf der Autobahn

Stillstand auf der Autobahn

endlich am Etappenziel

endlich am Etappenziel

Das Abenteuer hat uns wieder. Pünktlich um 8:30 in der Frühe sind Malte, Jannis und ich aus Bremen gestartet. Die Autobahn, zunächst leer, dann regnerisch und später sehr voll, ist immer ein notwendiges Übel, um an die ausgesuchte Destination zu gelangen.

Trotz einiger Staus ging es zum Schluss doch recht flott voran.

ein schotteriger Pfad führt zum Landgut von Sophia

ein schotteriger Pfad führt zum Landgut von Sophia

Als wir in Polen die Autobahn verlassen haben, unser heutiges Nachtlager fest im Blick, wurden wir mit schön geschwungenen Straßen verwöhnt. Mitten im Sierakowski Park gelegen sind wir unweit von Kwilcz gelandet. Der pittoreske Hof, inmitten von Natur und Seen gelegen, wird von Sophia geleitet, die uns gleich mit lokalen Spezialitäten begrüßt hat. Gurken aus eigenem Anbau und der Schnaps, als Aperitif fürs Grillen hinterher.

Das Wetter passt, die Zelte stehen. Morgen beginnt die erste Offroadetappe – wir sind gespannt!

die Zelte stehen - Zeit für ein Lagerfeuer!

die Zelte stehen – Zeit für ein Lagerfeuer!

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