19.7.2013: Kiel – Sülbeck ( 6612 km m.d.M. )

Immer schön der Reihe nach...

Immer schön der Reihe nach…

„Good Morning…“ flimmert über die Bildschirme in den Kabinen als ich erwache. Noch etwa zwei Stunden, bis wir im Kieler Hafen einlaufen.

Der Kopf dröhnt doch ein wenig nach den paar Dosen vom gestrigen Abend. Dafür scheint draußen auf dem Meer die Sonne zu brennen.

Das Abladen, praktisch eine logistische Meisterleistung bei knapp 3000 Passagieren, läuft reibungslos und überraschend flott ab. Leider dürfen die Bikes dieses Mal erst mit dem letzten Schwung von Bord. Was für ein faszinierender Anblick, wenn sich geschätzte 40 Motorräder in der halbdunklen Umgebung des Schiffbauchs wie an einer Perlenschnur nach draußen schlängeln.

Den haben wir uns verdient.

Den haben wir uns verdient.

Draußen in Kiel ist es heiß. VB lässt die Jeans und Turnschuhe an, ich bleibe jedoch bei meiner gefütterten Mopedhose – Schwitzen soll ja gesund sein 😉 Unser erster Stop ist der Seven-Diner in Kaltenkirchen. Nachdem wir auf ein Buffet an Bord verzichtet hatten, haben wir uns diese amerikanischen Kalorienbomben redlich verdient. Während des Essens klingelt mein Telefon. Fred, der mir letztes Jahr die GS verkauft hat, lädt uns auf dem Rückweg zum Kaffee ein. Was für eine Gelegenheit, nach den zwei Hamburgern einen waschechten Hamburger zu treffen. Leider sind wir an der Abfahrt, die uns um Hamburg herumführen würde, bereits vorbei und beschließen, den direkten Weg des Navis einzuschlagen. Ein fataler Fehler, wie sich herausstellen sollte.

Die nächsten drei Stunden verbringen wir bei weit über 30 Grad im Stau, erst auf der Autobahn, dann am direkten Stadtrand der Hansestadt. Oje, wären wir bloß wieder zurückgefahren.

Als wir Fred endlich erreichen, sind wir erleichtert über ein paar Getränke und eine kurze Verschnaufpause. Fred führt uns kurzerhand die Harley seines Bruders vor und spricht bereits von Plänen, ein bayrisches Motorrad wieder in seinen Besitz gelangen zu lassen.

Scooter auf seinem Service-nardo Roller

Scooter auf seinem Service-nardo Roller

Gegen Nachmittag beherzigen wir Freds Tipps zur staufreien Weiterfahrt. Da Basti nun wirklich gen Heimat und der anstehenden Geburtstagsfeier drängt, rasen wir über die Autobahn. Leider verpassen wir dadurch den Checkpoint mit meinem Vater und verlieren uns letztlich sogar noch kurz hinter Hannover.

Die letzten Kilometer in der Eskorte

Die letzten Kilometer in der Eskorte

Als ich dachte, meinen Mitstreiter eingeholt zu haben, überholt mich stattdessen, frecherweise, ein Rollerfahrer bei roter Ampel. Wenige Meter später entdecke ich Jasper, unseren Chefmechaniker, unter dem Helm. Wir steuern die nächste Haltemöglichkeit an, freuen uns über diesen glücklichen Zufall und warten auf den zweiten Bären. Schnell sind erste Neuigkeiten ausgetauscht und als sich herausstellt, dass Basti bereits zu Hause ist, fahren wir die letzten Kilometer zusammen. Voller Freude über die tausende km langen, heil überstanden Etappen, hupe ich permanent und fahre Schlangenlinien.

Zwar ist es irgendwie paradox, dass wir uns in über drei Wochen praktisch nie und nun gerade hier verloren haben, doch war es mir an dieser Stelle eigentlich am liebsten, da wir den Weg durchaus beide kennen 🙂 . Das Abenteuer Nordkap ist zuende. Später werden wir uns noch einmal treffen und den Grill mit reichlich Bier umtanzen. Die nächsten Tage steht dann vor allem Wiedersehen mit allen und Auspacken an. Das treue Material hat es verdient, ein wenig gepflegt und geputzt zu werden.

Was bleibt? Ich denke, dass es vor allem die schwierigen Momente sind, an die man in ein paar Jahren noch immer denkt und die die einfachen Dinge noch schöner scheinen lassen. Was für ein majestätisches Gefühl, als ich die Weltkugel erklommen hatte und wusste, dass wir das Härteste überstanden hatten. Ich denke, dass wir fast schon naiv mit einem viel zu idyllischen Fantasiebild von Norwegen hier in Bremen, vor über drei Wochen, in der Hegelstraße gestartet sind. Feinste Sonne den ganzen Tag, einsame, wunderschöne Natur und ein paar Stunden Motorradfahren, um dann nachher am Fluss wildzucampen. Doch Norwegen hat uns vom ersten Tag an genau gezeigt, wo es langgeht. Dabei hat es mir geholfen, die Situation so hinzunehmen wie sie ist und sie voll und ganz zu akzeptieren. Zu akzeptieren, dass die Tour das Kommando hat und nicht wir. Immer öfter ließ ich mich zurückfallen und fuhr langsam, um die Situation einzuatmen. Die Straße, die Gerüche, die einzigartige Landschaft voller Fjorde, Wasserfälle und endlose Wälder. Schon nach einer Woche konnte ich es sogar genießen, wenn wir bei strömendem Regen über die leeren Landstraßen gefahren sind. Es gehört alles dazu und ich denke auch, dass jede Reise schwierig wird, wenn man das Gesichtsfeld auf die zwei Meter vor seinem Bike beschränkt.

Danke an meinen besten Freund, der sicher selbst viele Dinge erfahren und getan hat, die er sich selbst nie zugetraut hätte und auch mich drei Wochen lang ausgehalten hat.

Gerade sitze ich draußen bei schönstem Wetter und lasse das Zelt trocknen. Ich kann es kaum erwarten, bis es endlich mal wieder losgeht…

End

 

2 Antworten auf 19.7.2013: Kiel – Sülbeck ( 6612 km m.d.M. )

  • Super boys!!!!!!!!!Es hat mir riesen Spaß gemacht bei Euch zu sein. Ich denke, diese Tour werdet Ihr bestimmt nicht vergessen und vor allen Dingen, dieses Erlebnis kann Euch keiner nehmen!!

  • Hammer jungs, super Tour danke für den block!

    nächstes mal eskortiere ich euch(dich SB) auch weiter als nur vom nuttenparkplatz zur Finishline!

    aber eine große Ehre das ich mit dem Service-nardo den Rest der Tour hautnah erlebt habe!!!

Schreibe einen Kommentar

Current ye@r *