5.7.2013: – Ägärd – Geitvagen ( 2796 km m.d.M. )

Es sollte ein Rennen mit der Zeit werden.. und wir haben es verloren. Wer hätte gedacht, dass es doch noch so lang bis Bodö ist? Wir zumindest nicht, denn wir wollten früh von der Insel und entsprechend zeitig am Hanger stehen, um die Fähre nach Moskenes zu nehmen. Natürlich kam alles anders. Aber von vorn..

Es ist 3:17 Uhr: ich werde wach, denn es fängt an zu regnen. Gestern war Waschtag und alle Kleider hängen noch immer draußen an der Leine. Wenn wir die nächsten Tage nicht mit ständig feuchtem Textil in der Packrolle herumfahren wollen, müssen wie die noch klammen Shirts und Socken schnell in Sicherheit bringen. Wir in Trance hängen wir alles ab und verstauen es schnell unter der Apside des Zelts. Übrigens eine verrückte Sache, dies bei absoluter Helligkeit zu dieser Uhrzeit zu tun.

Überquerung des Polarkreises - ein epischer Moment!

Überquerung des Polarkreises – ein epischer Moment!

Es ist 6:31 Uhr: Ich erwache erneut. Das Zelt bebt und schüttelt sich gewaltig. Es prasselt aus Kübeln. Monsunartig ergießt es sich über unsere Behausungen. Ich überprüfe unter Mühen alle Heringe und vor allem die Sachen unter dem Vorzelt. Scheint zu halten. Ich schlafe nochmal ein und erwache erneut etwa eine Stunde später. Immer noch regnet es enorm. Herjee – wir sollen wir das Zelt bloß bei diesem Wetter zusammenpacken? Es dauert noch zwei weitere Stunden, bis Petrus den Hahn halbwegs abdreht. Das Gras platscht unter meinen Stiefeln. Alles überflutet. Wir warten noch etwas ab und siehe da: die Sonne lässt sich blicken. Also schnell raus aus dem Zelt und mit dem Abbau beginnen.

Eine halbe Stunde später stehen wir in einer offenen Küche in der Nähe und bekommen frisch gefangen und gebratenen Fisch einer netten Dame polnischer Nationalität angeboten. Bei aller Zeitnot können wir diese Offerte nicht ablehnen.

die Tour hinterlässt Spuren...

die Tour hinterlässt Spuren…

Um ca. 11 Uhr geht es endlich rauf aus Bike – viel zu spät, aber wir wollen es dennoch versuchen. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt. Wir nehmen die erste Fähre und landen in Nesna. Es ist wieder leicht regnerisch und Basti streift seine Regenkombi über. Während ich so hinter ihm hertrotte, wird mir klar, dass sich meine Einstellung zur Situation grundlegend geändert hat. Eine gewisse Akzeptanz stellt sich ein, fast schon ein Art des Genießens. Die Straße ist nass, auf meinem Visier perlen die Tropfen, der Wind zerrt an meinem Bike und meiner Kleidung, aber mir ist warm. Ich blicke hinaus auf die fantastischen Formationen von Wasser, Felsen, schneebedeckten Gipfeln, Fjorden und Wäldern und merke, dass ich mehr und mehr selbst Teil von dem Ganzen hier werde. Die Tour hat längst das Kommando übernommen und ich lasse mich mittreiben.

Am Ende der Insel passieren wir Kilboghamn und steigen auf die Fähre. Ein besonderer Moment auf dem Wasser steht an: die Überquerung des Polarkreises. Als es dann soweit ist, bleibt zwar jedes Feuerwerk aus, für mich ist es aber dennoch ein wichtiger Punkt auf unserer Reise. Von nun an bleibt die Sonne nur noch oben, von nun an haben wir die Heimat komplett hinter uns gelassen und haben nur noch eins vor Augen: das Kapp!

...auch am zweitbesten Bike der Welt... ;)

…auch am zweitbesten Bike der Welt… ;)

Vorher sollte es auf die Lofoten gehen, die berühmten Lofoten. Tatsächlich wird aber eine weitere Fähre später die Zeit knapp und knapper. Ein Tankstopp zwingt uns zur Aufgabe: Wir werden es nicht rechtzeitig schaffen. Etwas Frust macht sich breit.

Wir beschließen die E17 weiter bis Bodö zu fahren, uns Informationen und gegebenenfalls Tickets für die 4-stündige Überfahrt zu holen. Danach verlassen wir die Stadt wieder gen Norden und steuern einen Nachtplatz vor den Toren Bodös an. Es wird eine kurze Nacht werden… aber wir haben unds Bier gegönnt! Morgen um 10:15 Uhr geht die Fähre.

 

 

4 Antworten auf 5.7.2013: – Ägärd – Geitvagen ( 2796 km m.d.M. )

  • 😀 stimmt, Malte Mega Dent!

  • Hallo Bears, Gratulation zur Querung des Polarkreises.
    Erinnert mich irgendwie an Linie Aquavit, zumindest wenn ihr diesen auf der Rückfahrt das zweite mal übequert. Nur etwas weniger tropisch und mit weniger Prozenten, da in Norwegen zu teuer.
    @Schokobear: Schöne weiße Zähne auf dem Foto.

    Hubertus

    • ….wir würden ja gerne nen Liter sprit kaufen und ihn für dich zwei mal über den polarkreis werfen…das Problem ist nur, dann man hier den wert eines kleinwagens für ne ordentliche flasche investieren muss… 😉

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