6.7.2013: Geitvagen – Stö ( 3073 km m.d.M. )

...ganz schöner Seegang.

…ganz schöner Seegang.

Ein wenig Hetze kommt auf, da wir die Fähre unbedingt bekommen müssen und sich der Abbau des Camps manchmal etwas hinzieht. Pünktlich um 9 Uhr stehen wir am Anleger in Bodö und ordern Tickets für die Überfahrt nach Moskenes. Wir lernen, wie so oft, einige andere Motorradfahrer, dieses Mal aus Italien und den Niederlanden kennen, die auch auf die Lofoten übersetzen wollen. Im Bauch des Schiffes werden die Bikes ordentlich verzurrt, dies geschieht über besonders dicke Gurte, die die BMWs tief ins Fahrwerk drücken. Oben auf der Fähre gibt es Tische und gemütliche Stühle. Wir schnappen uns eine Sitzgruppe nahe des Bordrestaurants, packen den zuvor gekochten Tee und etwas zu lesen aus.

Als wir das offene Meer erreichen, wird klar, warum die Motorräder solch sicheren Halt benötigen. Der Seegang ist relativ heftig und Geschirr und Menschen stolpern durch die Gänge. Es dauert nicht lange, da wird uns beiden gehörig schlecht und wir suchen das Sonnendeck auf, um ein wenig frische Luft zu schnappen. Draußen riecht es gewaltig nach Diesel, aber es ist halbwegs warm. Einige Zeit später lässt sich sogar die Sonne blicken.

Meine treue Begleiterin. Best Bike in the World :)

Meine treue Begleiterin. Best Bike in the World :)

Die Überfahrt dauert ganze vier Stunden und wir sind froh, anschließend endlich auf den Bikes zu sitzen und wieder auf der Straße zu sein. Schon der erste Eindruck der Lofoten ist atemberaubend. Kaum haben wir ein kleines Fischerdorf passiert, tut sich eine Bucht auf, die so gar nicht in das bisherige Norwegenbild passt. Weißer Sandstrand und türkises Wasser. Verrückt. Wunderschön. Wenig später landen wir auf einer Hauptverbindungsstraße zwischen lauter Wohnmobilen und Autos. Die Landschaft wird von Nebel verdeckt und es geht erst einmal nur geradeaus. Hinzu fängt es an zu regnen. Der Wind wird immer stärker und teilweise ist es schwer, das Motorrad gerade zu halten. Ich versuche es wie immer positiv zu nehmen und als Herausforderung zu sehen. Die Tour scheint sich ja etwas dabei gedacht zu haben, also ziehen wir auf der Fähre, die uns von Fiskeböl nach Melbu bringt, den Regenkombi über und nehmen bei nächster Gelegenheit eine kleine Nebenstraße direkt an der Küste. Es soll sich lohnen. Feinste Kurven schlängeln sich nun durch die Ebenen. Die Heidis, unsere grobstolligen Reifen, machen auch bei Nässe ein gutes Bild und die Bikes werden trotz voller Beladung ordentlich in die Schräge gepresst. Wir machen Kilometer für Kilometer und lassen uns vom Boxer und Twin in den nördlichen Teil der Vesteralen bringen. Alles um uns herum wird immer beeindruckender und mir wird klar, warum die Lofoten solch ein Traumziel vieler Reisender sind. Im Nebel ist Vieles nur schwach zu erkennen und lässt die herausragenden Massive fast unheimlich erscheinen. Immer wieder treffen wir auf filmreife Kulissen.

Die Lofoten.

Die Lofoten.

Unterwegs rufe ich bei einer Agentur an, die Whalewatching vom Kopf der Insel aus anbietet. Wäre es nicht fantastisch, mit einem Boot von dieser Hochseeinsel raus aufs offene Meer zu fahren, um die größten Tiere des Planeten einmal in freier Wildbahn zu sehen? Die Frau sagt mir, es seien noch zwei Plätze morgen früh unbesetzt und wir sollen um 9 Uhr auf der Matte stehen. Solange der Wind nicht zu stark wird, fahren wir raus in Richtung ewiges Eis. Dort sollen um diese Jahreszeit Gruppen von Orcas und Pottwahlen anzutreffen sein. Wow.

Unser Camp für heute Nacht

Unser Camp für heute Nacht

In Stö angekommen, befahren wir ein paar Stunden später eine kleine, schottrige Küstenstraße bis zum Ende. Hier gibt es nur noch Moos, etwas Gras und vor allem Felsen. Wir schlagen unsere Zelte auf. Der Wind ist brutal und weht fast alles von der Bildfläche, das nicht am Boden angenagelt wird. Zum Glück haben wir eine Axt dabei, die nun als Hammer zum Einschlagen der Heringe dient. Zusätzlich müssen Steine herhalten, um die Zelte zu beschweren. Einmal fliegt Bastis gesamtes Zelt durch unser Camp und reißt einfach mal alle Heringe mit aus. Der Arme – hat doch schon seine Isomatte (Anja würde sagen „Knackmatte 😉 ) heute Morgen den Geist aufgegeben.

Im Rücken unseres Camps befindet sich eine ca. vier Meter hohe Felswand. Ich erklimme sie und mir stockt fast der Atem. Die Aussicht ist wunderschön. Ich beschließe, mich gegen 00:00 Uhr hier auf diesen Fels zu setzen und auf die Mitternachtssonne zu warten. Jetzt gerade koche ich heißen Tee. Basti geht bereits schlafen und ich hoffe, ich halte im kalten Wind noch eine Weile aus.

Morgen werden wir Wale sehen.

Blick vom Camp aus. Atemberaubend schön!

Blick vom Camp aus. Atemberaubend schön!

4 Antworten auf 6.7.2013: Geitvagen – Stö ( 3073 km m.d.M. )

  • Thx Bra… schön dass du „dabei“ bist 😉

  • Hy boys, wunderschöne Aufnahmen sieht aus wie in der Karibik!!!!!! Ach übrigens, wir haben noch eine Isomatte zu verschenken!!!! Euch weiterhin gute Fahrt, wir denken an Euch. Bussy!

    • …Die Matte könnten wir gut gebrauchen – oder zumindest der Vanilla 😀
      …sieht wirklich aus wie Karibik – war aber etwa 20 Grad kälter 😉

  • Atemberaubende Landschaft! Und wie immer ein toller Beitrag! Viel Spaß Au den Lofoten und -Wow – beim whalewatching!

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