17.7.2013 Oslo ( 6258 km m.d.M. )

Oslo

Oslo

Die Oper am Hafen

Die Oper am Hafen

Die Festung im Hafen

Die Festung im Hafen

Es ist 17:04 Uhr. Seit über einer Dreiviertelstunde versuchen wir die Linie 32 zu finden, die uns zurück nach Bogstat bringt. Der Tag in Oslo war herrlich. Sagenhafte 30 Grad im Schatten begleiteten uns durch die Einkaufsstraßen, um den Palast, neben dem Schloss und quer durch den Hafen. Die fast 2 Millionen umfassende Hauptstadt Norwegens schafft es, mich mit ihrer symbiotisch wirkenden Kombination von alten und neuen Gebäuden in den Bann zu ziehen. Urban, maritim und voller Flair flanieren schier hunderte Menschen durch die Gassen und über zahlreiches Kopfsteinpflasterstraßen. Nachdem wir per Pedes einen großen Teil der Stadt erkundet haben, nehmen wir ein Wassertaxi, das uns auf eine Halbinsel bringt. Hier schaue ich mir soweit möglich ein Vikingermuseum an. Fasziniert begutachte ich die Schiffe der alten Nordmänner und werfe einen Blick auf Infotafeln und Schriften, die dort im Eingangsbereich ausgestellt sind, während Basti draußen die Sonne genießt. Fast unglaublich, dass sich diese vollständig von uns differenzierte Kultur so weit entwickelt hat und sich eine komplett eigene Weltanschauung (Walhalla, Odin etc.) erschaffen hat. Zu Hause muss ich unbedingt noch mehr über dieses Volk herausfinden, das schon Jahrzehnte vor Columbus den amerikanischen Kontinent betreten hat. Ein wenig tut es mir gerade leid, dass wir das Vikingermuseum auf den Lofoten (eine Art Erlebnistour durch ein Vikingerdorf) nur im Vorbeifahren begutachten konnten.

Bären on tour

Bären on (sightseeing-)tour

Die Suche dauert an: Wir stehen an der Haltestelle, aber kein Bus fährt in unsere Richtung. Oje, wir marschieren am Stadtring entlang und suchen verzweifelt nach einer Beschilderung. Weder Kioskbesitzer noch andere Busfahrer können uns helfen, bis wir nach ewig langem Umherirren endlich die Abfahrtsstelle finden. Was für eine Odyssee. Gegen 18 Uhr landen wir mit Heiniken im Gepäck an einem See nahe unseres Campingplatzes.

Im Vikingerschiffmuseum

Im Vikingerschiffmuseum

Die Sonne brennt noch immer und wir genießen den Abend und den gelungenen Tag jenseits der Sitzbank. Wir stoßen mehrfach auf den letzten Tag an und können kaum fassen, dass uns Skandinavien mit solch einem Klima im Nacken gehen lässt. Schon morgen verlassen wir Norwegen. Schon morgen geht es nach Kiel. Die Tour fährt langsam aber sicher in den Ruhemodus.

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16.7.2013: Orsa – Oslo ( 6258 km m.d.M. )

Die letzte große Skandinavienetappe beginnt.

Die letzte große Skandinavienetappe beginnt.

Es ist nach 19 Uhr und das Schild, das ich durch meine Brille, die aufgrund unzähliger Insektenleichen kaum noch Sonnenlicht durchlässt, sehe, zeigt „Oslo 15 KM“ an. Daneben steht ein Pfeil, auf dem „Kristiansand“ steht. Der Ort, an dem wir hier in Norwegen gestartet sind und der den Tag markiert, als das Abenteuer richtig losging. Ein guter Zeitpunkt, ein Wenig Revue passieren zu lassen:

Schneller Kaffee an der Autobahn

Schneller Kaffee an der Autobahn

KTM dachte, wir schaffen es nicht. Doch wir haben es geschafft. Über sechstausend Kilometer tragen uns die Motorräder nun schon durch Skandinavien und bisher gab es keine (!!!) technischen Probleme (drei Mal auf den Alukoffer klopf!!). Wirklich zuverlässige Biester. Genau wie unsere Zelte, die wir (wohl für eine längere Zeit) gerade zum letzten Mal aufbauen. Unterschiedlich nehmen wir das drohende Ende der Tour wahr. Vanilla scheint sich tierisch auf Deutschland zu freuen und das Roadlife für eine gewisse Zeit hinter sich zu lassen. Meine Gefühle sind da wesentlich gemischter. Sicher vermisse ich meine Leute und Eine ganz besonders, doch wäre es mir am liebsten, das hier würde noch lange weitergehen und alle meine Lieben würden einfach in Oslo morgen auf uns warten. Zu sehr gewöhnt habe ich mich an die ständige Veränderung, das Erleben der Kilometer und vor allem an den Rausch des Vorankommens ohne Stillzustehen. Sicher bin ich die treibende Kraft hinter Off-Days, Wanderungen, Erkundungen und Kultur, doch könnte ich dennoch jeden Morgen die erste Stunde ununterbrochen durchs Visier grinsen, wenn wir zurück auf der Straße sind.

goodbye sweden - hello (again) norway

goodbye sweden – hello (again) norway

Der (vorerst) letzte Zeltaufbau

Der (vorerst) letzte Zeltaufbau

Das alles ist nun vorbei. Morgen schauen wir uns Oslo an, übermorgen geht es für 20 Stunden an Bord der Fähre und dann stehen die wirklich allerletzten guten 300 km von Kiel nach Hause an. Kopf hoch, denke ich mir und versuche die Freude auf Zuhause einfach überwiegen zu lassen und die letzten Tage in vollen Zügen einzuatmen.

Unter mir bzw. unter unserem Tisch, der aus einer Aluplatte und zwei Motorradkoffern besteht, liegen sechs winkende Würste aus Schweden, sowie ein Grill und Kartoffelsalat. Zur Krönung gibt es sogar Importbier aus den Niederlanden. Das rettet wohl den Abend. Der Tag auf der Piste war heute nochmal recht anstrengend und wir haben beide GS ordentlich Kilometer fressen lassen. Ein Hoch auf die Bikes, ein Hoch auf uns, die wir nun seit über 20 Tagen fast ununterbrochen zusammen sind und uns immer noch verstehen. Ich bin gespannt auf Norwegens Hauptstadt.

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15.7.2013: Kornsjö – Orsa ( 5905 km m.d.M. )

das ist tatsächlich eine reguläre Straße hier!

das ist tatsächlich eine reguläre Straße hier!

Spätestens heute hat sich die Anschaffung unserer groben Stollenreifen gelohnt. Zwar sind wir immer wieder abgelegene Feldwege gefahren, insbesondere zum Ende des Tages, doch muss ich hier wirklich mal eine Lanze für die schwedischen Straßen brechen. Sie sind nämlich gar nicht so schlecht wie so Mancher sagt. Sie sind absolut so richtig scheiße. Auch wenn ich persönlich damit mal überhaupt kein Problem habe, sondern tierisch meinen Spaß habe.

Ich habe mich auf den teilweise über 20 Km langen Schotter- und Steinwegen des Öfteren gefragt, was eigentlich die Harley Fahrer mit ihren chrompolierten Karren oder die Joghurtbecherfahrer mit ihren CBRs usw. tun. Das Hinterrad driftet, die Steine fliegen einfach überall hin und hinter einem braust der Belag an die Karre des Folgenden. Ein paar Mal wurde es sogar richtig brenzlig mit der ganzen Beladung in den dicken Spurrillen, so schlecht waren die Verhältnisse.

Trotz alledem haben wir heute echte 483 Km zurück gelegt und uns damit einen Tag vor den Zeitplan geschoben. Das liegt zum einen an den ersten Kilometern auf der E4 und zum anderen an unserer langen Fahrtzeit. Von dort bogen wir auf Höhe Sundsvall querfeldein über viele Schotterpisten und landeten schließlich auf der 84, die uns Richtung Westen brachte. Über die 310 gelangten wir auf die E45 und steuerten Morsa an.

Familiencamping und Bratnudeln.

Familiencamping und Bratnudeln.

Kurze Pause auf der E4... abenteurlich nach knapp drei Wochen Outback. Fast wie eine Autobahn.

Kurze Pause auf der E4… abenteurlich nach knapp drei Wochen Outback. Fast wie eine Autobahn.

Über zwei Stunden suchten wir nach einer Möglichkeit zum Wildzelten, doch war es entweder so morastig, dass die Zelte davon geschwommen wären, oder so nah an der Straße, dass die LKWs die Apside weggefahren hätten. Nun sitzen wir gerade bei zwei Guiness auf einem Familiencampingplatz, da wir am Ende keinen Meter mehr weiter fahren wollten. Es ist voll und nicht gerade leise, aber wie haben eine Wiese ohne Schlamm, gutes Wetter und Bratnudeln in der Pfanne. Wir werden es überleben.

Morgen geht es nach Oslo. Wie kehren Schweden den Rücken zu und betreten erneut norwegisches Königsland. Die Tour holt nochmal Luft vor dem Finale.

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Kornsjö – Slattdalsskrevan – Kornsjö ( 5484 km m.d.M. )

Der Skuleskogens Nationalpark

Der Skuleskogens Nationalpark

Malte in der Spalte! :)

Malte in der Spalte! :)

Herrlich – lange ausschlafen, in Ruhe Kaffee und anschließend kein (!) Zeltabbau. Stattdessen fahren wir mit unbeladenen Bikes die E4 hinab und biegen Richtung Küste ein in den Skuleskogen Nationalpark. Hier soll es eine fantastische Aussicht und Wanderung durch eine Felspalte geben. Also jagen wir die beiden GS über den Schotter und parken am Fuße der Hügellandschaft. Zunächst geht es auf Holzbalken am Berg entlang, dann zu Fuß über große Steine steil bergauf.

Den müsste einmal jemand gießen...

Den müsste einmal jemand gießen…

Nach etwa einer Stunde erreichen wir die Aussichtsplattform über der kleinen Schlucht. Fast ein wenig Norwegenfeeling beim Anblick der Landschaft. Weiter geht’s inklusive kleiner Klettereinlagen auf ein Hochplateau, bestehend aus einem felsigen Untergrund mit viel Moos und verknöcherten Bäumen. Ich finde es herrlich und nur die alten Motorradstiefel trüben den „Hiking“-Spaß etwas. Auch die Sonne spielt mit.

Hirschragout zum Dinner.

Hirschragout zum Dinner.

Zuhause wartet Hirschragout auf mich. Während der Kocher brutzelt, genießen wir die Sonne und sind mit zwei Schweizern praktisch allein auf dem hiesigen Campingplatz.  Der Chef hier stammt aus dem Schwarzwald und lebt seit nun neun Jahren in Schweden. Er verkauft uns ein paar Grafenwalder für ein paar schlappe Kronen. Fast wie Urlaub.

 

 

Ich fand´s großartig dort oben.. und wir haben nur einen kleinen Ausschnitt gesehen.

Ich fand´s großartig dort oben.. und wir haben nur einen kleinen Ausschnitt gesehen.

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13.7.2013: Buträsk – Kornsjö ( 5422 km m.d.M. )

Gute Laune bei gutem Wetter.

Gute Laune bei gutem Wetter.

Wettertechnisch machen wir wirklich Einiges mit. Die Tour vermag es, uns immer wieder aufs Neue zu überraschen. Richtig heiß ist es inzwischen in Schweden und ich schwitze tatsächlich unter meiner Uniform. Wir fahren die 364 bis die Tanknadel zittert. Dieses Mal ist es Bastis Reichweite, die wir fast bis an die äußerste Grenze bringen. Wir müssen abkürzen und fahren die längste Schotterpassage der bisherigen Tour. Sicherlich über 10 Km fahren wir über zum Teil sehr grobes Gestein und lassen das Hinterrad ein wenig zappeln. Danach biegen wir auf die 363 und folgen eine lange Zeit den Wäldern am Straßenrand. Wie ein verpolter Magnet zieht es uns und unsere Bikes nach Süden.

Nach einem kurzen, „schockierenden Schock“ am Bankautomaten mit Blick auf den Kontostand, setzen wir die Fahrt über die E4 parallel zur Küste fort. Nach etwa anderthalb Stunden biegen wir in eine sehr kleine Straße ab, da ein Campingplatz ausgeschildert ist. Erstaunt nehmen wir wahr, dass es ein Platz des deutschen Camper Vereins ist.

Wer war eigentlich dieser Asphalt ??

Wer war eigentlich dieser Asphalt ??

Oha – das erste Mal checken wir in unserer Muttersprache ein. Es ist ein sogenannter Naturcampingplatz. Das heißt, dass man erstens ziemlich alleine ist und es weder Parzellen noch irgendwelches Luxussanitär gibt.

Kaum stehen die beiden Zelte, öffnet der Himmel seine Schleusen und gießt aus allen Leitungen. Immerhin hat die Tour Sinn für Humor, denn wir mussten in 16 Tagen bisher noch nie im Regen aufbauen. Toi toi toi…

Morgen legen wir einen „off day“ ein. Wir wollen Wandern, da es hier im Nationalpark Skuleskogen eine beeindruckende Felsformation mit engen, begehbaren Schluchten geben soll. Hoffentlich klemme ich mir die Hand nicht ein, wie dieser Typ in den USA 😉 .

Und es gibt eine Neuigkeit: Es wird endlich wieder dunkel. Zumindest dämmert es etwas. Ein herrlicher Regenbogen, gebettet in einen Vanilla Sky steht über uns, als wir ein paar Bier in einem trockenen Pavillion geneißen und die Route für die kommenden Tage besprechen. Was für eine Freude wird das, wenn die Sonne endlich mal wieder richtig untergeht. Wozu habe ich sonst diese schicke Stirnlampe eingepackt?

Es geht nach Süden....

Es geht nach Süden….

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12.7.2013: ca. 10 km vor Kalixälven – Buträsk ( 5169 km m.d.M. )

Schicker Hintern..

Schicker Hintern..

Manchmal fährt man durch Deutschland und sieht hier und da diese bunten Holzhäuser mit weißen Rahmenelementen und denkt sich: „Typisch schwedisch!“. Auch Ikea versucht uns ja weiß zu machen, dass ganz Schweden aussieht wie eine Seite aus dem aktuellen Katalog. Allein stehende Häuser, eine schaukelnde Veranda, eine schwedische Flagge und ganz viel Bullerbü. Und wisst ihr was? – genau so sieht´s hier tatsächlich aus. Wir haben inzwischen jede Menge Kilometer in diesem Land zurückgelegt und können ein Lied von diesen schnurrgeraden Straßen durch Birkenwälder und kleinen Siedlungen singen.

Mit vollem Gepäck durch die Pampa!

Mit vollem Gepäck durch die Pampa!

Es ist 16:15 Uhr. Wir haben unseren wunderbaren Zeltplatz längst hinter uns gelassen und fahren seit Stunden im Zickzack Richtung Süden, um irgendwie küstennah die E4 zu umgehen. Wir haben von Anders ein paar Tipps im Gepäck und wollen uns den Weg nach Oslo möglichst sehenswert gestalten. Wir fahren nach Boden und biegen auf die 356 und später auf die 374. Nach Pitea nehmen wir erneut einen Umweg in Kauf und landen mittels Offroad-Einlagen auf der 373. Gerade haben wir unsere Pause an einem See beendet. In aller Ruhe haben wir unsere Adventure-Menüs am Ufer gekocht und ein wenig in der Sonne gesessen. Die Gegend um unseren Platz ist von feinem Staub bedeckt und lädt mich mehrfach zum Hindernisfahren über die Hügelchen ein. Irgendwann wurde unsere Ruhe von jungen, schwedischen Leuten gestört. Sie haben seltsame Mobile dabei, die aussehen wie eine Kreuzung aus Schneeraupe und Jetski. Scheint ein echter Trend hier zu sein. Tierisch laut sind die Zweitakter jedenfalls.

Kleine Pause..

Kleine Pause..

18:01 Uhr. Irgendwie merke ich langsam die letzten 16 Tage in den Knochen. Es gibt eine Phase auf dem Bike, von der ich gar nichts mehr weiß, völlig verloren in Tagträumen. Ich freue mich auf jeden Kreisel, an dem wir abbiegen, denn das sind die einzigen Schräglagen auf dem Motorrad. Es wird Zeit einen Platz für die Nacht zu finden. Aus Unterhosenknappheit steuern wir einen Campingplatz in Buträsk an. Leider ist niemand da an der Rezeption und wir müssen uns an einem Kiosk im Ort anmelden. Nun sitzen wir hier fast allein auf einer riesigen Wiese, etwas weiter findet ein Dorffest statt. Zig Violinenspieler und –spielerinnen sind hier und üben. Wir mussten tatsächlich beide eine „Camping Card“ kaufen. Argh… bisher hat es immer ohne geklappt. Es ist schon wieder 23:30 Uhr.. und immer noch taghell. Wo sind eigentlich die Unterhosen?

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11.7.2013 Hetan – ca. 10 km vor Kalixälven ( 4740 km m.d.M. )

2013-07-11 19.06.41

Gestern Abend lernten wir Anders kennen. Anders ist einer dieser Verrückten, die hier in Skandinavien immense Strecken mit einem Fahrrad zurücklegen, das ringsherum mit Taschen behangen und beladen ist. Er kommt aus Malmö und ist die Strecke zum Nordkapp tatsächlich mit dem Drahtesel geradelt. Irrer Typ! Jedenfalls haben wir uns prächtig mit ihm über schwedisches Bier, Ikea und das skandinavische Schulsystem unterhalten.

In Schweden treffen wir einen alten Freund wieder.

In Schweden treffen wir einen alten Freund wieder.

Morgens, gegen 9 Uhr kommen wir endlich aus den (Isomatten-) Federn. Anders sitzt bereits in der Küche und füllt seine Trinkflaschen auf. Er will weiter Richtung Heimat. Wir lassen uns richtig Zeit und genießen die Ruhe auf dem fast leeren Campingplatz. Nur die Mücken…

Beim zweiten Kaffee beschließen wir unsere Route für die nächsten Tage. Anders hat uns ein paar wertvolle Tipps gegeben und wir entscheiden uns dafür, das inzwischen beste, finnische Wetter mit nach Schweden zu nehmen.

Zwei Stunden später haben wir Anders mit seinem Rad überholt und die schwedische Grenze passiert. Von Finnland aus nehmen wir die 93 nach Westen und biegen schließlich auf die E8 ab. Die Sonne lacht und es sind über 23 Grad. Ein herrliches Fahren auf den Straßen ohne Kurven und ohne ein Ende. Wälder, Wälder, Wälder und hier und da sein See oder Fluss. Die Straßenqualität schwankt stark von gutem Teer bis hin zu sandigen Abschnitten. Schweden heißt uns herzlich willkommen und wir brausen mit knapp 100 Km/H relativ entspannt auf dem einsamen Asphalt.

Ein glückliches Händchen mit unserem Zeltplatz in der Wildnis

Ein glückliches Händchen mit unserem Zeltplatz in der Wildnis

In Schweden fahren wir über die 99 bis Parjada und bewegen uns weiter auf der 392. Am späten Nachmittag ist es dann soweit: Wir überqueren erneut den Polarkreis und freuen uns, dass es in wenigen Tagen nachts wieder zumindest dämmert.

Gegen 17 Uhr beschließen wir, langsam nach einem Platz für die Nacht zu suchen. Natürlich plädiere ich fürs Wildcampen und kann gerade noch aus den Augenwinkeln eine große Wiese mit hohem Gras hinter den Bäumen am Straßenrand ausmachen. Wir fahren eine Böschung über grobes Geröll und relativ tiefe Erdlöcher hinab, auf die große Wiese direkt am Fluss. Ich bin begeistert. Ein herrlicher Ort zum nächtigen und grillen. Schnell sind Grill, Tisch und Zelte aufgebaut. Bei Abendsonne sitzen wir mit ein paar Carlsberg völlig allein in der Pampa und essen das krosse Fleisch vom Spieß. Die Sonne brennt gegen 21 Uhr immer noch hoch oben am Himmel. Viel besser kann es nun nicht mehr werden…

Unsere Schlafstätte - ich bin sehr glücklich gerade :)

Unsere Schlafstätte – ich bin sehr glücklich gerade :)

 

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Nordkapp – Hetan ( 4432 km m.d.M. )

Trophäen..

Trophäen..

Es war Sturm. Nachdem sich das Kapp mit Nebel gefüllt hatte, zog der Wind stark an. Stärker sogar als auf den Lofoten. Ich musste um halb zwei Uhr nachts einmal aus dem Zelt, um es neu abzuspannen und um es gegen die teils sehr heftigen Böen zu sichern. Wenn man noch nie hier war, kann man sich wahrscheinlich schlecht vorstellen, dass man nachts zwischen 1 und 2 aus dem Zelt steigt und die Sonne sieht. Nebenan waren gerade zwei Mädels dabei, ihr Zelt mit Tape zu fixen. Wieder im Zelt gab es Ohrstöpsel auf die Lauscher und die Sturmmaske über die Augen gegen die Helligkeit. Ich schlafe wie ein Baby, trotz Sturm.

Zum ersten Mal werde ich nach Basti wach, der bereits sein Zelt zusammengefaltet hat. Der Wind bläst weiterhin kräftig – wenigstens kein Regen. Ich versuche meine Sachen in die Packrollen zu stopfen. Als die Bikes bepackt sind, besuchen wir ein letztes Mal die Nordkapphalle und die anschließende Weltkugel auf der Klippe.

Alter Finne - ne Menge Kilometer heute.

Alter Finne – ne Menge Kilometer heute.

Als wir das Nordkapp verlassen, stehen die Motorräder schier schräg im Wind. Die Straße zurück zur E6 gestaltet sich als wahres Abenteuer. Wir brauchen etwa anderthalb Stunden bis wir nach links abbiegen und den Ort Karasjohka ansteuern. Immer wieder kreuzen Rentiere unseren Weg. Mitunter liegt sogar ein totes Tier am Straßenrand. Wahrscheinlich hat es die Straße vor dem Wohnmobil nicht mehr rechtzeitig passieren können.

Rudolph überall

Rudolph überall

Wir biegen rechts auf die 92. Die Natur ändert sich radikal. Endlose Straßen werden von unzählbaren Bäumen bewohnt. Keine Häuser, keine Tankstellen, kaum Kurven – nur die Straße. Manchmal nutze ich meine Kopfhörer, manchmal genieße ich die Einsamkeit auf dem Bike und denke nach. Viel Zeit vergeht und wird wohl die nächsten Tage auf dem Bike vergehen.

Die Sonne lässt sich immer öfter blicken. Es wird wärmer. Einige Stunden später sagen wir „Goodbye Norway – Hello Finland!“. Es wird langsam Abend und wir steuern den erstbesten Supermarkt an. Die Preise sind für deutsche Verhältnisse massiv teuer, doch gegenüber den norwegischen Gegebenheiten ein absolutes Schnäppchen. Wir statten uns mit dem Nötigsten aus und fahren den nächsten Zeltplatz an. Die Sonne bleibt, wie immer, über dem Horizont stehen. Nur wenige Wolken sind zu sehen und wir genießen die Sonne beim Aufbau der Zelte. Eine neue Herausforderung deutet sich an: Millionen von Stechmücken scheinen schon auf uns gewartet zu haben.

Moskitoalarm!

Moskitoalarm!

 

 

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9.7.2013: Langfjordbotn – Nordkapp ( 3961km m.d.M. )

Top of Europe.

Top of Europe.

Wir haben es geschafft.

Als wir die Hütte gegen 11 Uhr verlassen, ziehen große, dunkle Wolken über die Ebene. In den nächsten Stunden geraten wir immer wieder in Regenphasen. Wir bleiben jedoch, im Vergleich mit dem gestrigen Tage, weitgehend trocken. In Alta, der letzten richtigen Stadt hier so hoch im Norden, kauft sich Basti eine neue Isomatte, die alte hatte sich ja schon vor zwei Tagen verabschiedet und auf mein Bereden hin gönnt er sich gottseidank etwas Gutes. Sein Rücken und sein Schlaf werden es ihm in den nächsten neun Tagen danken. Ich erstehe endlich neue Kopfhörer. Die langen Straßen in Schweden verlangen nach etwas Entertainment.

Als wir ein Hochplateau erreichen, wird es immer kälter. Plötzlich bremst ein Wohnmobil vor mir. Kaum zu glauben, aber eine Herde Rentiere rennt mitten über die Straße. Immer wieder sehen wir die faszinierenden Tiere nun am Wegesrand. Einmal überfährt Basti den armen Rudolph sogar fast, schafft es aber gerade noch geschickt auszuweichen.

Die Attraktion

Die Attraktion

Die Strecke zieht sich. Wo zunächst noch Birken stehen, weichen diese mehr und mehr einer kargen Mooslandschaft. Nur noch vereinzelnd Bäume, dann außer Steinen und Gräsern gar nichts mehr. Die Straßen sind fast leer, nur ab und an begegnen wir Caravans. Bis zum Horizont scheint der Asphalt zu reichen, dann eine Kurve, dann wieder soweit das Auge reicht. Langsam meldet sich meine Spritanzeige. Wo eben noch 90 Km Reichweite stand, stehen nun nur noch 21 und weit und breit keine Tankstelle in Sicht. Oje. Ich lasse den Boxer im sechsten Gang bei 70 Km/h rollen und kupple bergrunter immer wieder aus. Die Straße will und will nicht enden. Langsam überkommt mich etwas Panik. Selbst wenn Basti es noch bis zur nächsten Tanke schafft, würde es sicher lange dauern, bis er mit einem Kanister wieder hier ist. Derweil würde ich hier mitten im Nirgendwo auf sonstwieviel Metern Höhe zwischen riesigen Hirschen stehen. Also hoffen.

Wenige Minuten später immer noch kein Aufatmen. Die Anzeige zeigt noch genau 1 KM Reichweite an. Dann ist der Tank leer….

Zumindest sagt das mein Bordcomputer. 0 KM Reichweite. Aber die GS kämpft und kämpft, als wüsste sie, dass ich mich in diesen Minuten auf sie verlassen muss. Sie fährt noch über 15 Kilometer weiter, bis endlich, endlich eine Statoil Reklame in mein Sichtfeld rückt. Ich muss den Tank beim letzten Mal nicht ganz vollgefüllt haben, dass er so früh schlapp macht. Mehr als erleichtert machen wir uns fertig für die Weiterfahrt, als ein Bus voller Rentner aus Österreich neben uns hält. Wir scheinen eine Art Touristenattraktion zu sein, denn was nun folgt, sind zig Smalltalks mit neugieren Pensionären. Sie fragen, woher wir kämen, ob wir wirklich mit dem Motorrad hergekommen seien und dann auch nur mit Zelten bepackt?! Dann werden noch Erinnerungsfotos mit uns geschossen. Ich bin etwas perplex.

Am Ende der E6 biegen wir ab. Das Schild sagt „Nordkapp“ an. Es sind noch über 100 KM auf dieser einen Küstenstraße, bevor wir das „end of the road“ erreichen. Ich hätte von nun an mit Bussen en mass und unzähligen Wohnmobilen gerechnet, aber letztlich bleiben wir meist allein auf der Strecke. Es ist eine schöne Fahrt so kurz vorm Ziel, eine würdige letzte Etappe vor dem Kapp. Langgezogene Kurven durch die Mondlandschaften, vorbei am Wasser und hinauf auf hohe Felsen. Dann der legendäre Nordkapptunnel. Auf den sieben Kilometern geht es von Beginn an steil bergab. Man hat das Gefühl, man führe vom Himmel durch die Welt zur Hölle, als wolle einen das dunkle Rattenloch direkt verschlucken. Nach vier Kilometern dann der Aufstieg.

Wir passieren das letzte Örtchen in der Komune Nordkapp und gelangen gegen 16:30 Uhr endlich an den wichtigsten Punkt unserer Reise. Als ich die große Kugel über der Nordkaphalle sehe, dröhnt ein Freudenschrei aus dem Visier. Ich hupe reiße die Arme nach oben. Geschafft. Endlich da.

Normalerweise ist hier nichts als Nebel...

Normalerweise ist hier nichts als Nebel…

75 Tage Nacht und 75 Tage Sonnenschein – am Stück. Es ist ein extremer Ort und die meisten Tage im Jahr ist er in völligen Nebel getaucht. Wir haben tatsächlich Glück. Es klart auf und es bietet sich uns ein beeindruckender Anblick, der mehr an eine gemalte Leinwand aus Licht, Wolken und Himmel erinnert als an einen echten Horizont.

Nachdem wir die Halle durchschritten haben, brauche ich erst einmal eine Pause. Schon seit den Morgenstunden habe ich ein fürchterliches Stechen in der rechten Seite. Ich weiß nicht woher, aber das Laufen fällt mir ziemlich schwer. Wahrscheinlich etwas eingeklemmt im engen Hüttenbett.

Am Ziel!

Am Ziel!

Es geht hinaus durch die hinteren Türen. Hier steht das Wahrzeichen des Kapps. Hier steht die Weltkugel direkt an der Klippe am nördlichsten Punkt Europas. Hiernach kommt lange nichts mehr, von der Bäreninsel mal abgesehen. Viel, viel Wasser und dann irgendwann ewiges Eis. Hier ist der Scheitelpunkt unserer Reise. Die Tour macht eine Wende, um sich morgen mit voller Kraft vom Beckenrand abzustoßen.

Auf dem Sockel der Weltkugel jubeln wir wie Rocky, wenn er die Stufen in Phiadelphia erklimmt.

Gulasch am Nordkapp.

Gulasch am Nordkapp.

Später schlagen wie die Zelte direkt am Felsen auf. Ich habe darauf bestanden hier zu zelten, da ich die Magie dieses Ortes unbedingt auskosten möchte. Es gibt heute Gulasch, lange hat es nicht mehr so gut geschmeckt. Nach dem Essen gehen wir erneut in die Halle. Im Keller läuft neben der Ausstellung ein Film über diesen Platz am Kopf von Norwegen. Danach setzen wir uns kurz in mein Zelt und stoßen auf den Tag an. Für eine kleine Flasche Sekt war gerade noch Platz im Budget. Eigentlich wollte ich mir die Mitternachtssonne von hier ansehen, doch in dem Moment, als wir das Zelt verlassen, hat sich die Welt um uns herum wieder einmal völlig verändert. Tiefster Nebel schwebt überall. Man kann die Hand kaum vor Augen sehen. Es bleibt nur der Weg in den Schlafsack. Ab morgen fahren wir Richtung Süden. Es geht nach Hause.

2013-07-09 20.07.43

Eine Nacht am Kapp.

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