19.7.2013: Kiel – Sülbeck ( 6612 km m.d.M. )

Immer schön der Reihe nach...

Immer schön der Reihe nach…

„Good Morning…“ flimmert über die Bildschirme in den Kabinen als ich erwache. Noch etwa zwei Stunden, bis wir im Kieler Hafen einlaufen.

Der Kopf dröhnt doch ein wenig nach den paar Dosen vom gestrigen Abend. Dafür scheint draußen auf dem Meer die Sonne zu brennen.

Das Abladen, praktisch eine logistische Meisterleistung bei knapp 3000 Passagieren, läuft reibungslos und überraschend flott ab. Leider dürfen die Bikes dieses Mal erst mit dem letzten Schwung von Bord. Was für ein faszinierender Anblick, wenn sich geschätzte 40 Motorräder in der halbdunklen Umgebung des Schiffbauchs wie an einer Perlenschnur nach draußen schlängeln.

Den haben wir uns verdient.

Den haben wir uns verdient.

Draußen in Kiel ist es heiß. VB lässt die Jeans und Turnschuhe an, ich bleibe jedoch bei meiner gefütterten Mopedhose – Schwitzen soll ja gesund sein 😉 Unser erster Stop ist der Seven-Diner in Kaltenkirchen. Nachdem wir auf ein Buffet an Bord verzichtet hatten, haben wir uns diese amerikanischen Kalorienbomben redlich verdient. Während des Essens klingelt mein Telefon. Fred, der mir letztes Jahr die GS verkauft hat, lädt uns auf dem Rückweg zum Kaffee ein. Was für eine Gelegenheit, nach den zwei Hamburgern einen waschechten Hamburger zu treffen. Leider sind wir an der Abfahrt, die uns um Hamburg herumführen würde, bereits vorbei und beschließen, den direkten Weg des Navis einzuschlagen. Ein fataler Fehler, wie sich herausstellen sollte.

Die nächsten drei Stunden verbringen wir bei weit über 30 Grad im Stau, erst auf der Autobahn, dann am direkten Stadtrand der Hansestadt. Oje, wären wir bloß wieder zurückgefahren.

Als wir Fred endlich erreichen, sind wir erleichtert über ein paar Getränke und eine kurze Verschnaufpause. Fred führt uns kurzerhand die Harley seines Bruders vor und spricht bereits von Plänen, ein bayrisches Motorrad wieder in seinen Besitz gelangen zu lassen.

Scooter auf seinem Service-nardo Roller

Scooter auf seinem Service-nardo Roller

Gegen Nachmittag beherzigen wir Freds Tipps zur staufreien Weiterfahrt. Da Basti nun wirklich gen Heimat und der anstehenden Geburtstagsfeier drängt, rasen wir über die Autobahn. Leider verpassen wir dadurch den Checkpoint mit meinem Vater und verlieren uns letztlich sogar noch kurz hinter Hannover.

Die letzten Kilometer in der Eskorte

Die letzten Kilometer in der Eskorte

Als ich dachte, meinen Mitstreiter eingeholt zu haben, überholt mich stattdessen, frecherweise, ein Rollerfahrer bei roter Ampel. Wenige Meter später entdecke ich Jasper, unseren Chefmechaniker, unter dem Helm. Wir steuern die nächste Haltemöglichkeit an, freuen uns über diesen glücklichen Zufall und warten auf den zweiten Bären. Schnell sind erste Neuigkeiten ausgetauscht und als sich herausstellt, dass Basti bereits zu Hause ist, fahren wir die letzten Kilometer zusammen. Voller Freude über die tausende km langen, heil überstanden Etappen, hupe ich permanent und fahre Schlangenlinien.

Zwar ist es irgendwie paradox, dass wir uns in über drei Wochen praktisch nie und nun gerade hier verloren haben, doch war es mir an dieser Stelle eigentlich am liebsten, da wir den Weg durchaus beide kennen 🙂 . Das Abenteuer Nordkap ist zuende. Später werden wir uns noch einmal treffen und den Grill mit reichlich Bier umtanzen. Die nächsten Tage steht dann vor allem Wiedersehen mit allen und Auspacken an. Das treue Material hat es verdient, ein wenig gepflegt und geputzt zu werden.

Was bleibt? Ich denke, dass es vor allem die schwierigen Momente sind, an die man in ein paar Jahren noch immer denkt und die die einfachen Dinge noch schöner scheinen lassen. Was für ein majestätisches Gefühl, als ich die Weltkugel erklommen hatte und wusste, dass wir das Härteste überstanden hatten. Ich denke, dass wir fast schon naiv mit einem viel zu idyllischen Fantasiebild von Norwegen hier in Bremen, vor über drei Wochen, in der Hegelstraße gestartet sind. Feinste Sonne den ganzen Tag, einsame, wunderschöne Natur und ein paar Stunden Motorradfahren, um dann nachher am Fluss wildzucampen. Doch Norwegen hat uns vom ersten Tag an genau gezeigt, wo es langgeht. Dabei hat es mir geholfen, die Situation so hinzunehmen wie sie ist und sie voll und ganz zu akzeptieren. Zu akzeptieren, dass die Tour das Kommando hat und nicht wir. Immer öfter ließ ich mich zurückfallen und fuhr langsam, um die Situation einzuatmen. Die Straße, die Gerüche, die einzigartige Landschaft voller Fjorde, Wasserfälle und endlose Wälder. Schon nach einer Woche konnte ich es sogar genießen, wenn wir bei strömendem Regen über die leeren Landstraßen gefahren sind. Es gehört alles dazu und ich denke auch, dass jede Reise schwierig wird, wenn man das Gesichtsfeld auf die zwei Meter vor seinem Bike beschränkt.

Danke an meinen besten Freund, der sicher selbst viele Dinge erfahren und getan hat, die er sich selbst nie zugetraut hätte und auch mich drei Wochen lang ausgehalten hat.

Gerade sitze ich draußen bei schönstem Wetter und lasse das Zelt trocknen. Ich kann es kaum erwarten, bis es endlich mal wieder losgeht…

End

 

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18.7.2013: Oslo – Kiel ( 6258 km m.d.M. )

2013-07-18 17.17.50

Die Mall in der Mitte des Schiffs

Die Mall in der Mitte des Schiffs

Ganz gemählich kriechen wir aus den Zelten und bauen zum letzten Mal ab. Das selbe Spiel wie seit drei Wochen: Zelt schütteln, Gepäck raus, Plane runter und zum Trocknen auslegen, Kabine ausschütteln, Heringe raus, Footprint zusammenlegen….

Der Kaffee schmeckt und pünktlich um 10:30 Uhr lassen wir die BMWs gen Hafen gallopieren. Dort steht sie schon, die Colorline Fantasy. Kurz einen Schnack mit einer anderen, wartenden Bikergruppe und ab in den Verladeraum.

 

Casino

Casino

Als wir aus dem Fahrstuhl auf das Hauptdeck treten, werden die Augen groß. Wir hatten mit einer spartanischen Kabine inmitten einer funktionalen Autofähre gerechnet, ähnlich der Fähren, mit denen wir unzählige Male zwischen Fjords gewechselt haben oder von Hirtshals nach Kristiansand übergesetzt sind. Stattdessen bietet sich uns eine Entertainment-Urlaubshalle, die eher an die Ernst-August-Gallerie als an eine Fähre erinnern lässt. Casino, Restaurants, Einkaufsläden und sogar eine Musicalbühne samt Theater münden an die lange Gasse. Unter uns dasselbe noch einmal, über uns muten scheinbar kullissenartige Häuserfronten mit Markisenfenstern an. Wenig später betreten wir unsere Kabine und bemerken, dass eins dieser Fenster „unseres“ ist. Ein spartanisches Doppelbett, ein Sofa direkt vor dem Fenster mit Blick auf den Boulevard und ein erstaunlich großes Bad heißen uns auf der Fantasy willkommen. Herjee – eine richtige Kreuzfahrt wird das. Schön eigentlich, nach drei Wochen im Zelt und veranzten Hütten. Wir Checken das Sonnendeck und winken Oslo noch einmal. Ein paar Möwen begleiten uns noch kilometerweit und attackieren so manchen Passagier, der sich mit Hotdogs ausgestattet hat.

Arrogante Schnösel auf der Kreuzfahrt

Arrogante Schnösel auf der Kreuzfahrt

Nach wenigen Seemeilen öffnet der Dutyfree Shop. Das ist unser Signal, denn hier gibt es Getränke für einen Bruchteil von Norwegens Preisen. zwei Stunden später sitzen wir mit Bier und Pizza vom Italiener auf unserem Sofa, hören Musik und betrachten das muntere Teiben in der Mall. Was für einen Abschluss und gefühlter Luxus. Der Tag geht schnell vorbei. Auf speziellen Fernsehkanälen kann man Live-Kameraaufnahmen von verschiedenen Orten auf dem Schiff sehen. Wer braucht da eine Außenkabine??

Morgen schon werden wir deutschen Boden unter den Füßen haben. Ganz im Schlaf legen wir die 1000 Km zurück.

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17.7.2013 Oslo ( 6258 km m.d.M. )

Oslo

Oslo

Die Oper am Hafen

Die Oper am Hafen

Die Festung im Hafen

Die Festung im Hafen

Es ist 17:04 Uhr. Seit über einer Dreiviertelstunde versuchen wir die Linie 32 zu finden, die uns zurück nach Bogstat bringt. Der Tag in Oslo war herrlich. Sagenhafte 30 Grad im Schatten begleiteten uns durch die Einkaufsstraßen, um den Palast, neben dem Schloss und quer durch den Hafen. Die fast 2 Millionen umfassende Hauptstadt Norwegens schafft es, mich mit ihrer symbiotisch wirkenden Kombination von alten und neuen Gebäuden in den Bann zu ziehen. Urban, maritim und voller Flair flanieren schier hunderte Menschen durch die Gassen und über zahlreiches Kopfsteinpflasterstraßen. Nachdem wir per Pedes einen großen Teil der Stadt erkundet haben, nehmen wir ein Wassertaxi, das uns auf eine Halbinsel bringt. Hier schaue ich mir soweit möglich ein Vikingermuseum an. Fasziniert begutachte ich die Schiffe der alten Nordmänner und werfe einen Blick auf Infotafeln und Schriften, die dort im Eingangsbereich ausgestellt sind, während Basti draußen die Sonne genießt. Fast unglaublich, dass sich diese vollständig von uns differenzierte Kultur so weit entwickelt hat und sich eine komplett eigene Weltanschauung (Walhalla, Odin etc.) erschaffen hat. Zu Hause muss ich unbedingt noch mehr über dieses Volk herausfinden, das schon Jahrzehnte vor Columbus den amerikanischen Kontinent betreten hat. Ein wenig tut es mir gerade leid, dass wir das Vikingermuseum auf den Lofoten (eine Art Erlebnistour durch ein Vikingerdorf) nur im Vorbeifahren begutachten konnten.

Bären on tour

Bären on (sightseeing-)tour

Die Suche dauert an: Wir stehen an der Haltestelle, aber kein Bus fährt in unsere Richtung. Oje, wir marschieren am Stadtring entlang und suchen verzweifelt nach einer Beschilderung. Weder Kioskbesitzer noch andere Busfahrer können uns helfen, bis wir nach ewig langem Umherirren endlich die Abfahrtsstelle finden. Was für eine Odyssee. Gegen 18 Uhr landen wir mit Heiniken im Gepäck an einem See nahe unseres Campingplatzes.

Im Vikingerschiffmuseum

Im Vikingerschiffmuseum

Die Sonne brennt noch immer und wir genießen den Abend und den gelungenen Tag jenseits der Sitzbank. Wir stoßen mehrfach auf den letzten Tag an und können kaum fassen, dass uns Skandinavien mit solch einem Klima im Nacken gehen lässt. Schon morgen verlassen wir Norwegen. Schon morgen geht es nach Kiel. Die Tour fährt langsam aber sicher in den Ruhemodus.

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16.7.2013: Orsa – Oslo ( 6258 km m.d.M. )

Die letzte große Skandinavienetappe beginnt.

Die letzte große Skandinavienetappe beginnt.

Es ist nach 19 Uhr und das Schild, das ich durch meine Brille, die aufgrund unzähliger Insektenleichen kaum noch Sonnenlicht durchlässt, sehe, zeigt „Oslo 15 KM“ an. Daneben steht ein Pfeil, auf dem „Kristiansand“ steht. Der Ort, an dem wir hier in Norwegen gestartet sind und der den Tag markiert, als das Abenteuer richtig losging. Ein guter Zeitpunkt, ein Wenig Revue passieren zu lassen:

Schneller Kaffee an der Autobahn

Schneller Kaffee an der Autobahn

KTM dachte, wir schaffen es nicht. Doch wir haben es geschafft. Über sechstausend Kilometer tragen uns die Motorräder nun schon durch Skandinavien und bisher gab es keine (!!!) technischen Probleme (drei Mal auf den Alukoffer klopf!!). Wirklich zuverlässige Biester. Genau wie unsere Zelte, die wir (wohl für eine längere Zeit) gerade zum letzten Mal aufbauen. Unterschiedlich nehmen wir das drohende Ende der Tour wahr. Vanilla scheint sich tierisch auf Deutschland zu freuen und das Roadlife für eine gewisse Zeit hinter sich zu lassen. Meine Gefühle sind da wesentlich gemischter. Sicher vermisse ich meine Leute und Eine ganz besonders, doch wäre es mir am liebsten, das hier würde noch lange weitergehen und alle meine Lieben würden einfach in Oslo morgen auf uns warten. Zu sehr gewöhnt habe ich mich an die ständige Veränderung, das Erleben der Kilometer und vor allem an den Rausch des Vorankommens ohne Stillzustehen. Sicher bin ich die treibende Kraft hinter Off-Days, Wanderungen, Erkundungen und Kultur, doch könnte ich dennoch jeden Morgen die erste Stunde ununterbrochen durchs Visier grinsen, wenn wir zurück auf der Straße sind.

goodbye sweden - hello (again) norway

goodbye sweden – hello (again) norway

Der (vorerst) letzte Zeltaufbau

Der (vorerst) letzte Zeltaufbau

Das alles ist nun vorbei. Morgen schauen wir uns Oslo an, übermorgen geht es für 20 Stunden an Bord der Fähre und dann stehen die wirklich allerletzten guten 300 km von Kiel nach Hause an. Kopf hoch, denke ich mir und versuche die Freude auf Zuhause einfach überwiegen zu lassen und die letzten Tage in vollen Zügen einzuatmen.

Unter mir bzw. unter unserem Tisch, der aus einer Aluplatte und zwei Motorradkoffern besteht, liegen sechs winkende Würste aus Schweden, sowie ein Grill und Kartoffelsalat. Zur Krönung gibt es sogar Importbier aus den Niederlanden. Das rettet wohl den Abend. Der Tag auf der Piste war heute nochmal recht anstrengend und wir haben beide GS ordentlich Kilometer fressen lassen. Ein Hoch auf die Bikes, ein Hoch auf uns, die wir nun seit über 20 Tagen fast ununterbrochen zusammen sind und uns immer noch verstehen. Ich bin gespannt auf Norwegens Hauptstadt.

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15.7.2013: Kornsjö – Orsa ( 5905 km m.d.M. )

das ist tatsächlich eine reguläre Straße hier!

das ist tatsächlich eine reguläre Straße hier!

Spätestens heute hat sich die Anschaffung unserer groben Stollenreifen gelohnt. Zwar sind wir immer wieder abgelegene Feldwege gefahren, insbesondere zum Ende des Tages, doch muss ich hier wirklich mal eine Lanze für die schwedischen Straßen brechen. Sie sind nämlich gar nicht so schlecht wie so Mancher sagt. Sie sind absolut so richtig scheiße. Auch wenn ich persönlich damit mal überhaupt kein Problem habe, sondern tierisch meinen Spaß habe.

Ich habe mich auf den teilweise über 20 Km langen Schotter- und Steinwegen des Öfteren gefragt, was eigentlich die Harley Fahrer mit ihren chrompolierten Karren oder die Joghurtbecherfahrer mit ihren CBRs usw. tun. Das Hinterrad driftet, die Steine fliegen einfach überall hin und hinter einem braust der Belag an die Karre des Folgenden. Ein paar Mal wurde es sogar richtig brenzlig mit der ganzen Beladung in den dicken Spurrillen, so schlecht waren die Verhältnisse.

Trotz alledem haben wir heute echte 483 Km zurück gelegt und uns damit einen Tag vor den Zeitplan geschoben. Das liegt zum einen an den ersten Kilometern auf der E4 und zum anderen an unserer langen Fahrtzeit. Von dort bogen wir auf Höhe Sundsvall querfeldein über viele Schotterpisten und landeten schließlich auf der 84, die uns Richtung Westen brachte. Über die 310 gelangten wir auf die E45 und steuerten Morsa an.

Familiencamping und Bratnudeln.

Familiencamping und Bratnudeln.

Kurze Pause auf der E4... abenteurlich nach knapp drei Wochen Outback. Fast wie eine Autobahn.

Kurze Pause auf der E4… abenteurlich nach knapp drei Wochen Outback. Fast wie eine Autobahn.

Über zwei Stunden suchten wir nach einer Möglichkeit zum Wildzelten, doch war es entweder so morastig, dass die Zelte davon geschwommen wären, oder so nah an der Straße, dass die LKWs die Apside weggefahren hätten. Nun sitzen wir gerade bei zwei Guiness auf einem Familiencampingplatz, da wir am Ende keinen Meter mehr weiter fahren wollten. Es ist voll und nicht gerade leise, aber wie haben eine Wiese ohne Schlamm, gutes Wetter und Bratnudeln in der Pfanne. Wir werden es überleben.

Morgen geht es nach Oslo. Wie kehren Schweden den Rücken zu und betreten erneut norwegisches Königsland. Die Tour holt nochmal Luft vor dem Finale.

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Kornsjö – Slattdalsskrevan – Kornsjö ( 5484 km m.d.M. )

Der Skuleskogens Nationalpark

Der Skuleskogens Nationalpark

Malte in der Spalte! :)

Malte in der Spalte! :)

Herrlich – lange ausschlafen, in Ruhe Kaffee und anschließend kein (!) Zeltabbau. Stattdessen fahren wir mit unbeladenen Bikes die E4 hinab und biegen Richtung Küste ein in den Skuleskogen Nationalpark. Hier soll es eine fantastische Aussicht und Wanderung durch eine Felspalte geben. Also jagen wir die beiden GS über den Schotter und parken am Fuße der Hügellandschaft. Zunächst geht es auf Holzbalken am Berg entlang, dann zu Fuß über große Steine steil bergauf.

Den müsste einmal jemand gießen...

Den müsste einmal jemand gießen…

Nach etwa einer Stunde erreichen wir die Aussichtsplattform über der kleinen Schlucht. Fast ein wenig Norwegenfeeling beim Anblick der Landschaft. Weiter geht’s inklusive kleiner Klettereinlagen auf ein Hochplateau, bestehend aus einem felsigen Untergrund mit viel Moos und verknöcherten Bäumen. Ich finde es herrlich und nur die alten Motorradstiefel trüben den „Hiking“-Spaß etwas. Auch die Sonne spielt mit.

Hirschragout zum Dinner.

Hirschragout zum Dinner.

Zuhause wartet Hirschragout auf mich. Während der Kocher brutzelt, genießen wir die Sonne und sind mit zwei Schweizern praktisch allein auf dem hiesigen Campingplatz.  Der Chef hier stammt aus dem Schwarzwald und lebt seit nun neun Jahren in Schweden. Er verkauft uns ein paar Grafenwalder für ein paar schlappe Kronen. Fast wie Urlaub.

 

 

Ich fand´s großartig dort oben.. und wir haben nur einen kleinen Ausschnitt gesehen.

Ich fand´s großartig dort oben.. und wir haben nur einen kleinen Ausschnitt gesehen.

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13.7.2013: Buträsk – Kornsjö ( 5422 km m.d.M. )

Gute Laune bei gutem Wetter.

Gute Laune bei gutem Wetter.

Wettertechnisch machen wir wirklich Einiges mit. Die Tour vermag es, uns immer wieder aufs Neue zu überraschen. Richtig heiß ist es inzwischen in Schweden und ich schwitze tatsächlich unter meiner Uniform. Wir fahren die 364 bis die Tanknadel zittert. Dieses Mal ist es Bastis Reichweite, die wir fast bis an die äußerste Grenze bringen. Wir müssen abkürzen und fahren die längste Schotterpassage der bisherigen Tour. Sicherlich über 10 Km fahren wir über zum Teil sehr grobes Gestein und lassen das Hinterrad ein wenig zappeln. Danach biegen wir auf die 363 und folgen eine lange Zeit den Wäldern am Straßenrand. Wie ein verpolter Magnet zieht es uns und unsere Bikes nach Süden.

Nach einem kurzen, „schockierenden Schock“ am Bankautomaten mit Blick auf den Kontostand, setzen wir die Fahrt über die E4 parallel zur Küste fort. Nach etwa anderthalb Stunden biegen wir in eine sehr kleine Straße ab, da ein Campingplatz ausgeschildert ist. Erstaunt nehmen wir wahr, dass es ein Platz des deutschen Camper Vereins ist.

Wer war eigentlich dieser Asphalt ??

Wer war eigentlich dieser Asphalt ??

Oha – das erste Mal checken wir in unserer Muttersprache ein. Es ist ein sogenannter Naturcampingplatz. Das heißt, dass man erstens ziemlich alleine ist und es weder Parzellen noch irgendwelches Luxussanitär gibt.

Kaum stehen die beiden Zelte, öffnet der Himmel seine Schleusen und gießt aus allen Leitungen. Immerhin hat die Tour Sinn für Humor, denn wir mussten in 16 Tagen bisher noch nie im Regen aufbauen. Toi toi toi…

Morgen legen wir einen „off day“ ein. Wir wollen Wandern, da es hier im Nationalpark Skuleskogen eine beeindruckende Felsformation mit engen, begehbaren Schluchten geben soll. Hoffentlich klemme ich mir die Hand nicht ein, wie dieser Typ in den USA 😉 .

Und es gibt eine Neuigkeit: Es wird endlich wieder dunkel. Zumindest dämmert es etwas. Ein herrlicher Regenbogen, gebettet in einen Vanilla Sky steht über uns, als wir ein paar Bier in einem trockenen Pavillion geneißen und die Route für die kommenden Tage besprechen. Was für eine Freude wird das, wenn die Sonne endlich mal wieder richtig untergeht. Wozu habe ich sonst diese schicke Stirnlampe eingepackt?

Es geht nach Süden....

Es geht nach Süden….

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12.7.2013: ca. 10 km vor Kalixälven – Buträsk ( 5169 km m.d.M. )

Schicker Hintern..

Schicker Hintern..

Manchmal fährt man durch Deutschland und sieht hier und da diese bunten Holzhäuser mit weißen Rahmenelementen und denkt sich: „Typisch schwedisch!“. Auch Ikea versucht uns ja weiß zu machen, dass ganz Schweden aussieht wie eine Seite aus dem aktuellen Katalog. Allein stehende Häuser, eine schaukelnde Veranda, eine schwedische Flagge und ganz viel Bullerbü. Und wisst ihr was? – genau so sieht´s hier tatsächlich aus. Wir haben inzwischen jede Menge Kilometer in diesem Land zurückgelegt und können ein Lied von diesen schnurrgeraden Straßen durch Birkenwälder und kleinen Siedlungen singen.

Mit vollem Gepäck durch die Pampa!

Mit vollem Gepäck durch die Pampa!

Es ist 16:15 Uhr. Wir haben unseren wunderbaren Zeltplatz längst hinter uns gelassen und fahren seit Stunden im Zickzack Richtung Süden, um irgendwie küstennah die E4 zu umgehen. Wir haben von Anders ein paar Tipps im Gepäck und wollen uns den Weg nach Oslo möglichst sehenswert gestalten. Wir fahren nach Boden und biegen auf die 356 und später auf die 374. Nach Pitea nehmen wir erneut einen Umweg in Kauf und landen mittels Offroad-Einlagen auf der 373. Gerade haben wir unsere Pause an einem See beendet. In aller Ruhe haben wir unsere Adventure-Menüs am Ufer gekocht und ein wenig in der Sonne gesessen. Die Gegend um unseren Platz ist von feinem Staub bedeckt und lädt mich mehrfach zum Hindernisfahren über die Hügelchen ein. Irgendwann wurde unsere Ruhe von jungen, schwedischen Leuten gestört. Sie haben seltsame Mobile dabei, die aussehen wie eine Kreuzung aus Schneeraupe und Jetski. Scheint ein echter Trend hier zu sein. Tierisch laut sind die Zweitakter jedenfalls.

Kleine Pause..

Kleine Pause..

18:01 Uhr. Irgendwie merke ich langsam die letzten 16 Tage in den Knochen. Es gibt eine Phase auf dem Bike, von der ich gar nichts mehr weiß, völlig verloren in Tagträumen. Ich freue mich auf jeden Kreisel, an dem wir abbiegen, denn das sind die einzigen Schräglagen auf dem Motorrad. Es wird Zeit einen Platz für die Nacht zu finden. Aus Unterhosenknappheit steuern wir einen Campingplatz in Buträsk an. Leider ist niemand da an der Rezeption und wir müssen uns an einem Kiosk im Ort anmelden. Nun sitzen wir hier fast allein auf einer riesigen Wiese, etwas weiter findet ein Dorffest statt. Zig Violinenspieler und –spielerinnen sind hier und üben. Wir mussten tatsächlich beide eine „Camping Card“ kaufen. Argh… bisher hat es immer ohne geklappt. Es ist schon wieder 23:30 Uhr.. und immer noch taghell. Wo sind eigentlich die Unterhosen?

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