1.7.2013 Lofthus – Byrkjelo ( 1499 km m.d.M. )

Auf 2400 Meter - am 1. Juli - mitten im Schnee.

Auf 2400 Meter – am 1. Juli – überall liegt noch Schnee.

Die Sonne hat uns hat uns wieder verlassen. Tiefe Wolken stehen über dem Fjord als ich die Nase das erste Mal aus durch den Zelteingang strecke. Kleine Wasserperlen sammeln sich auf dem Außenzelt. Langsam kommen wir in Gang. Die letzten Tage auf den Bikes und die Klettertour zum Kjerag verlangen ihren Tribut.

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… auf dem Wasserweg.

Bei leichtem Nieselregen folgen wir der engen Straße entlang des Wassers und folgen der E13 Richtung Brimnes, von wo aus uns eine Fähre auf dem Wasserweg nach Bruravik bringen soll. Das Fährsystem in Norwegen funktioniert klasse, wahrscheinlich ist es auch die einzige Möglichkeit, die Infrastruktur irgendwie in Gang zu halten. Es geht weiter. Wir lassen die BMWs ordentlich Kilometer fressen und erreichen ein paar Stunden später Vangsnes. Im Fährhafen lernen wir einen Mann aus Kiel kennen. Er ist schon einige Male hier gewesen und lässt sich, wie wir, nach Norden treiben. Auch zwei Männer aus Tschechien erzählen von ihren Plänen, die Lofoten zu besuchen. Seit Beginn unserer Reise, und insbesondere seitdem wir in Norwegen sind, lernen wir täglich neue Menschen kennen. Die Motorräder scheinen ein idealer Kontaktmagnet zu sein. Schnell tauscht man sich aus: „von wo, wohin, seit wann, wie lange noch, gute Fahrt…“. Immer wenn wir von unserem Plan berichten, bis ans Kap fahren zu wollen, bekommen wir die gleiche Antwort: „Da habt ihr euch aber was vorgenommen“ oder „Lot of Kilometers from here..“.

Die nächsten Stunden wird der Regen stärker und wir beschließen, die Regenkombis erneut überzustreifen. Es prasselt und gießt anschließend richtig. Die Landschaft entschädigt: wieder wechseln sich Schnee- und Felslandschaften mit grünen Tälern jenseits von Wasserfällen und Flüssen ab. Inzwischen haben wir uns fast an den Regen gewöhnt, fragen uns aber um 17 Uhr, wo wir bei dem Regen bloß unsere Zelte aufschlagen sollen. Plötzlich macht der Regen eine Pause und vor Bastis GS türmt sich eine beeindruckende Felsformation auf. Eine mächtige Gletscherzunge ragt zig Meter herab. Kaum haben wir die Bikes abgestellt, um ein paar Fotos zu machen, hält ein Bus voller Asiaten neben uns. Sofort springen 40-50 Menschen heraus und halten ihre Tablets und Camcorder in die Luft. Als mich eine ältere, japanisch aussehende Dame fragt, ob ich ihr beim Fotografieren helfen könne, sage ich selbstverständlich zu. Völlig verblüfft bin ich aber, als ich merke, dass ich kein Foto von ihr und ihrem Mann machen solle, sondern, dass ihr Mann ein Foto mit mir (!) knipsen soll. So schnell wird man also zur Attraktion mit einem dreckbesudelten Motorradanzug. Als Basti noch mit ins Bild springt und die kleine Frau in die Mitte genommen wird, ist ihr Tag scheinbar gerettet. Ziemlicht seltsam, aber eine skuril – lustige Situation für uns.

Später, als wir Byrkjelo erreichen und der Regen noch stärker wird, kommt der Gedanke auf, eine Hütte zu buchen. Natürlich ist eine Günstige schon ausgebucht und wir diskutieren, ob wir uns die teure Hütte leisten wollen. Ich gebe letztlich nach und Basti Recht, dass es für heute das Beste ist, die Hütte zu nehmen. Wenn schon, denn schon sagen wir uns und kaufen im Supermarkt einen Sechser Bier für ein halbes Vermögen. Heute sind wir Könige. Könige bis morgen, denn dann geht es weiter. Immer nordwärts.

Zwei grandiose Ziele stehen auf dem Plan: der wunderschöne Geiranger Fjord und … der berühmte Pass Trollstigen. Unsere Nachbarn kommen von dort und sprachen von feinstem Wetter. Auch hier lichtet sich gerade die Wolkendecke….

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30.6.2013 Kjerag – Lofthus ( 1244 km m.d.M. )

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nordwärts… immer nordwärts

Kaum aufgewacht, reiße ich das Zelt auf. Es ist – heiß. Es ist tatsächlich heiß und sonnig. Wir können es kaum fassen und frühstücken bei feinster Sonne unter dem riesigen Wasserfall, dessen Ursprungsbach wir gestern noch von oben betrachten durfen.

Der Plan ist, mit einer Fähre durch den Lysford zu fahren. Es soll wunderschön sein und ist unsere einzige Möglichkeit gen Westen auf eine Straße zu gelangen, die uns weiter Richtung Norden  bringt. Dann die Enttäuschung. Die Fähre im Hafen legt erst gegen 15:30 Uhr ab. Das ist definitiv zu lange und wir würden wertvolle Zeit verlieren. Es bleibt nur eine Möglichkeit: zurück über den Pass auf die 9 und von da nach oben.

Es sollte eine gute Entscheidung werden. Zunächst schrauben wir uns die Serpentinen nach oben. Beim schönen Wetter wirkt die Gegend noch atemberaubender. Fast märchenhaft schlängeln wir uns über den Passt. 80 Km geht es auf sehr engen Straßen durch felsige Landschaft. Mooslandschaften und Wildbäche prägen das Bild. Immer wieder halten wir an und verweilen, machen Aufnahmen. Es ist wunderschön. Teilweise fahren wir kleine Ewigkeiten, ohne dass uns jemand entgegenkommt.

Was für ein Nachtlager!

Was für ein Nachtlager!

Von nun an geht es gerade nordwärts. Bis zum Abend befahren wir mehrere Pässe, passieren das hiesige Naturschutzgebiet Hardangervidda. Das ist endlich das Norwegen, von dem wir geträumt haben. Seen, Wälder, Wasserfälle.

Am Ende des Tages passieren wir Odda und beschließen noch ein wenig weiterzufahren. Am Ende spuckt uns das Navi einen Campingplatz in traumhafter Kulisse aus. Wir sitzen auf einem Plateau über dem Utnefjord. Die Abendsonne brennt und aus dem Zelt haben wir eine Postkarten Aussicht. Wir sind endlich in Norwegen angekommen.

Morgen geht es Nordwärts.

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29.6.2013 Kjerag ( 947 km m.d.M. )

Ich bin bereits um 5:00 Uhr wach. Der Regen tobt draußen, eine Sinnflut bricht über unsere Zelte herein. Kurz den Kopf rausgestreckt, dann schnell wieder ins Zelt. Die Wanderung wird wohl gechancelt bei diesem Wetter.

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Ein Erlebnis, das ich wohl nie vergessen werde.

Drei Stunden später sitzen wir mit Kaffee unter trockenem Himmel. Es sieht zwar nicht gut aus, doch wir wollen den Felsen unbedingt sehen. Also geht’s ohne Koffer ein paar hundert Meter hinauf zum Startpunkt. Von Beginn an wird es anstrengend. Bei heftigem Wind klettern wir die steilen Felswände hinauf. Tatsächlich muss geklettert werden, wobei uns Stahlseile, ähnlich einem Klettersteig, unterstützen. Die ersten 30 Minuten zehren an den Kräften. Basti stürzt sogar einmal – bis auf das Knie bleibt aber alles heil. Es kann weitergehen. Hinter der ersten Bergspitze lässt sich die Sonne wieder kurz blicken. Weiter und weiter. Wir treffen unterwegs immer wieder eine Wandergruppe aus Deutschland, die aber inzwischen in Norwegen wohnt, machen kleine Späßchen um uns von den Anstrengungen abzulenken.

Im Wechsel geht es nun voran. Immer wieder steil bergauf, teilweise anspruchsvolle Passagen, teilweise über grobes Gestein. Ein paar Mal muss ich Basti pushen, aber er hält wacker durch. Nach drei Stunden, die uns fast zur Aufgabe zwingen, haben wir es geschafft. Pünktlich mit der Sonne erreichen wir den Kjerag. Highlight dieses Ortes ist ein in über 1000 Meter eingeklemmter Fels in einer Felsspalte. Sehr Mutige trauen sich, auf den Fels zu klettern. Ich natürlich auch – wobei ich es im Nachhinein nicht mehr gemacht hätte. Es ist atemberaubend schön und beängstigend zugleich. Ich habe zittrige Knie auf dem Felsen und kurz sogar Angst, dass mein Kreislauf schlapp macht. Auf dem Felsen machen wir natürlich Fotos. Ich bin wie benommen, als ich wieder sicheren Boden unter den Füßen habe.

Der Abstieg wird hart. Wir schaffen es nach insgesamt über 5 Stunden wieder zum Parkplatz und kommen später erschöpft im Camp an. Morgen geht’s weiter – immer Richtung Norden. Ziel ist Odda.

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28.6.2013: Hirtshals – ca. 15 km vom Kjerag ( 932 km m.d.M. )

Camping am Kjerag

Camping am Kjerag

Am Tage drauf haben wir kaum Zeit für ein Frühstück. Schnell die sieben Sachen am Moped verknoten und ab zum Hafen. Ein kleiner Plausch mit unseren Nachbarn verrät, dass sie mit dem Drahtesel auch auf die Fähre wollen – allerdings eine Stunde später – kein Wunder, dass sie gemählich Zeit für einen Kaffee haben. Etwa fünf Kilometer weiter wird die Zeit knapp. Wir gesellen uns zu drei anderen Motorradfahrern am Fährableger und halten Smalltalk. Zwei von ihnen sind auf ihrem vierten oder fünften Norwegentripp und besuchen Freunde, die dort wohnen. Wir bekommen ein paar gut Tipps und außerdem Hoffnung auf gutes Wetter… diese sollte sich jedoch bald in nasse Realität verwandeln. Der dritte Mann ist Däne und redet nicht weiter, stellt sich jedoch schon Minuten später als Retter in der Not heraus, als wir völlig überfordert damit sind, die Bikes selbstständig im Frachtraum zu verknoten. Herjee.. wofür bezahlt man eigentlich so viel Kohle an die Fährbetriebe, wenn man am Ende alles selber machen muss?! Es bleibt jedoch ohne Schaden, auch wenn Bastis Sitzbank ordentlich vom Zurrband malträtiert wird. Auf der Fähre lösen wir Gutscheine für Hotdogs und Kaffee ein. Am Hinterdeck riecht es zwar nach ordentlich Diesel, dennoch ist hier der einzige Platz mit Frischluft und die verhindert jede Seekrankheit immer noch am besten. Gute zwei Stunden später betreten wir das erste Mal norwegischen Boden. Keine halbe Stunde später haben wir Christiansand hinter uns gelassen und sind auf dem Weg ins Outback. Nachdem das Navi uns zunächst in die völlig falsche Richtung gelotst hat, navigieren wir mit Karte und fahren nun weiter Richtung Norden. Die Landschaft ist schon jetzt überwältigend. Fast surreal wie in einem Fantasyfilm fahren wir durch einsame, hüglige Waldpassagen. Die ersten „Achtung Elchverkehr“ Schilder warnen vor dem typischen Wild des Landes. Permanent droht eine graue Wolkenkette über uns, bleibt jedoch zunächst in passiver Lauerstellung. Etwa zwei Stunden schlängeln wir uns durch das Hinterland, bevor wir ein größeres Städtchen namen Evje erreichen und beschließen, am Fjord weiter nach oben zu gelangen. Die Wolken werden immer dichter und der Nieselregen scheint bleiben zu wollen. Wir müssen uns entscheiden: Entweder wir schlagen hier unser Camp auf, oder passieren eine Gebirgsstrecke, die uns westlich Richtung Kjerag bringt. Die Entscheidung fällt auf Weiterfahren. Was sich nun anschließt ist ein Mix aus kaum beschreibbarem Hochland, das aus Mooswiesen und nicht zählbarem, massivem Gestein besteht. Hier und da laufen Schaafe auf der Straße, die und zum Anhalten zwingen. Kaum ein Fahrzeug kommt uns entgegen, dafür lässt uns der Regen nicht allein. Wieder holen wir uns eine kräftige Dusche ab und fahren letztlich den Pass am Kjerag bei klitschnasser Straße. Unten im Tal wählen wir einen Campingplatz und verwerfen die Idee, Wild zu campen. Wir wollen zwei Tage bleiben und die Bikes morgen stehen lassen, um die berühmte Felsspalte zu sehen.

 

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27.6.2013: Bremen – Hirtshals ( 655 km m.d.M. )

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Der Regen macht kurz Pause.. etwa eine Stunde vor Hirtshals – irgendwo in Dänemark.

Ein wenig Sonne schob sich durch die Wolken über Bremen als wir gegen 11 Uhr endlich alle Packrollen und Koffer auf unseren Bikes festgezurrt hatten. Ziemlich unsicher ging es dann durch die Straßen der Neustadt, die hier und da an die Bulver Street erinnerten, zum letzten Check und Volltanken. Ein fast 700 KM Ritt lag vor uns und auf den Packeseln sollte wirklich kein Sandkorn Platz mehr sein. Den Elbtunnel passierten wir, von einem kleinen Verfahrer, problemlos. Am Nordostsee-Kanal jedoch gingen über uns alle Türen auf und wir dachten anschließend auch viel zu lange darüber nach, ob sich die Regenkleidung nun lohnen würde oder nicht. Sie würde! – die nächsten zwei Stunden ergoss sich über unseren Helmen eine Dekaden-Sinnflut.

Als sich der Himmel kurzzeitig wieder schloss dann der nächste Schreck: Schon seit Minuten roch es nach verbranntem Gummi in einer Auto und LKW-Kolonne beim Passieren einer Baustelle. Plötzlich ein Riesenknall und Teile fliegen durch die Luft. Der LKW Reifen zerspringt vormeinen Augen und zieht nach links Richtung Leitplanke, Reifenstücke streifen mein Motorrad und meinen Helm – ein Albtraum. Der Lastwagen schafft es jedoch nach rechts zu manövrieren und eine Gasse links neben sich frei zu machen. Nochmal Glück gehabt, aber der Schreck sitzt tief.

Einige Stunden später erreichen wir gegen 19 Uhr Hirtshals am Kopfe Dänemarks. Auf dem Campingplatz haben sich bereits ein paar Radfahrer und andere Camper eingefunden. Hirtshals gilt schließlich als das Tor nach Norwegen. Schnell sind die Zelte aufgebaut, ein paar Steaks gegrillt, einige Biere aus dem Kiosk genascht und die Augen zu geklappt. Ein anstrengender Weg am ersten Tag.

 

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