Byrkjelo – ca. 10 Kilometer vor Eresfjord ( 1762 km m.d.M .)

Der Geiranger Fjord

Der Geiranger Fjord

Ich wache wieder früh auf. Die Helligkeit ist so verwirrend für den Körper, dass ich mehrmals nachts den Kopf hoch zum Fenster hebe und anschließend die Uhrzeit überprüfe. Um 7 Uhr scheint blauer Himmel durch das Fenster. Grund genug, um aufzustehen. Mein Geklimper mit dem Kochgeschirr weckt Basti, so dass wir etwa eine halbe Stunde später mit dem Kaffee auf der Veranda unserer Hütte stehen und einen kleinen Plausch mit dem Nachbarn, einem sympathischen Lehrer in Pansion aus Ost-Holstein, führen. Er hat das „Spritproblem“ hier in Norwegen auf seine eigene Weise gelöst und sich eine Dosenmaschine gekauft, mit deren Hilfe er literweise Alkohol in Tomatendosen füllt und ins Baltikum schmuggelt. Guter Mann. Ein anderer Campbewohner, der mit seinem Bike auf dem Weg nach Süden ist, schwärmt vom guten Wetter, das seine Gruppe bis am Tag zuvor begleitet hat. Warum haben wir eigentlich nicht solch ein Glück?!

Trollstige

Trollstige

Trotz Kaffeklatsch schaffen wir es, zeitig die Pferde zu satteln und weiter Richtung Norden zu fahren. Die E60 bringt uns nach Stryn, wo wir die falsche Richtung einschlagen und zu weit nach Osten driften. Leider fällt uns das erst eine ganze Zeit später auf und befinden und einige Stunden später am östlichen Rand des Geiranger Fjords. Umkehren wäre fatal, also beschließen wir die Fähre durch den gesamten Fjord zu nehmen. Eine gute Entscheidung, wie sich zeigen wird, denn die Aussicht vom Schiff ist gnadenlos beeindruckend. Welch eine Natur, die sich da von links und rechts die steilen Felsen bis zum Wasser herunter räkelt. Riesige Wasserfälle treffen auch überraschend fruchtbaren Boden am Fuße des Fjords, wo Obstbäume stehen. Diesen Ort hätten wir mit den Motorrädern niemals zu Gesicht bekommen. Zwischendurch überholt uns das berühmte Postschiff „Hurtigruten“. Nach ca. einer Stunde erreichen wir das westliche Ende und damit das Örtchen Geiranger. Hier liegen mehrere Kreuzfahrtschiffe, unter anderem die Aida, vor Anker.

Kaum von Bord lassen wir uns wie auf einem Korkenzieher die Serpentinen hochziehen, bis wir letztlich nochmal am Kopf des Fjords Rast machen. Wir kämpfen uns zwischen den Touristen durch und erhaschen einen letzten Blick auf den berühmten Flecken. Wow! Türkises Wasser zwischen filmreifen Felsmassiven.

...Troll getroffen.

…Troll getroffen.

Weiter geht es – immer weiter. Wir überfahren mehrere Pässe auf über 2500 Metern und gelangen anschließend nach Eidsal, von wo aus wir mit der Fähre nach Linge übersetzen. Was nun kommt, gehört zu den absoluten Highlights der bisherigen Tour: Trollstige. Dort, wo der Sage nach die Trolle bei Nebel anzutreffen sind, treffen wir auf die berühmte Abfahrt, die den Vergleich mit dem Stelvio in den Alpen kaum zu scheuen braucht.

Von einer Aussichtsplattform gibt es zunächst einen Überblick über das, was uns gleich erwartet. Mehrere Hände voll 180° Kurven den steilen Berg hinab, schlängelt sich die Straße vorbei an einem hochhaushohen Wasserfall und frisst sich bis an den Horizont ins Tal. Das Beste daran ist, dass es im Vergleich zum Stilfser Joch geradezu menschenleer ist.

Wir erreichen die Stadt Andalsnes, kaufen ein paar Dinge für den Abend und nutzen den noch frühen Abend, um den Tageskilometerzähler noch etwas zu pushen. Als wir den Parkplatz über eine schottrige Auffahrt verlassen wollen, rutscht mir der rechte Fuß auf den Steinen weg. Keine Chance, die sicher annähernd 300 kg schwere Maschine zu halten. Dafür sind diese ganzen Schutzverkleidungen also gut – es geschieht nämlich nichts, außer dass sie kurz auf dem Koffer und dem Schutzbügel aufliegt. Ich schaffe es sogar, das Bike allein wieder aufzurichten.

Lieber nicht herunter sehen :)

Lieber nicht herunter sehen :)

Die Fahrt um den Langfjorden gestaltet sich als Zitterpartie. Immer wieder ziehen dunkle Wolken über uns hinweg. Wir hoffen den bisher regenfreien Tag so fortsetzen zu können und halten bereits nach einem Nachtquartier Ausschau. Nach einer teuren Hüttenübernachtung und der kostspieligen Fjorddurchfahrt wollen wir zum Einen Geld sparen und zum Anderen endlich das Abenteuer, das wir uns von zu Hause aus immer vorgestellt haben: wildes Camping inmitten der Natur. Ich bin überglücklich, dass sich Basti darauf einlässt und muss an dieser Stelle sowieso einmal bemerken, dass sich der ehemals camping-feindliche junge Mann langsam zum Rüdiger Nehberg mausert.

Feuer machen für die Nacht.

Feuer machen für die Nacht.

Wir durchfahren einige kleine Orte, können aber nichts Passendes finden. Es geht wieder steil hinauf und wir passieren einen Pass auf etwa 500 Meter Höhe nahe Eresfjord. Hier schlagen wir unsere Zelte auf. Etwas abseits der Straße finden wir Schutz an einem Bergbach und errichten unser Camp.

Etwa 20 Minuten später sitzen wir an einem kleinen, störrischem Lagerfeuer und kochen uns heißes Bulgur-Kessel. Wir trinken ein paar Bier, aus finanziellen Gründen die letzten für diese Woche, und sitzen noch eine Weile in völliger Stille.

Morgen geht es weiter – nach Norden. Unser Ziel ist die E17, eine schon fast legendäre Küstenstraße, auf der u.a. zahlreiche BMW Werbefilme gedreht wurden.

Dudes..!

Dudes..!

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