13.7.2013: Buträsk – Kornsjö ( 5422 km m.d.M. )

Gute Laune bei gutem Wetter.

Gute Laune bei gutem Wetter.

Wettertechnisch machen wir wirklich Einiges mit. Die Tour vermag es, uns immer wieder aufs Neue zu überraschen. Richtig heiß ist es inzwischen in Schweden und ich schwitze tatsächlich unter meiner Uniform. Wir fahren die 364 bis die Tanknadel zittert. Dieses Mal ist es Bastis Reichweite, die wir fast bis an die äußerste Grenze bringen. Wir müssen abkürzen und fahren die längste Schotterpassage der bisherigen Tour. Sicherlich über 10 Km fahren wir über zum Teil sehr grobes Gestein und lassen das Hinterrad ein wenig zappeln. Danach biegen wir auf die 363 und folgen eine lange Zeit den Wäldern am Straßenrand. Wie ein verpolter Magnet zieht es uns und unsere Bikes nach Süden.

Nach einem kurzen, „schockierenden Schock“ am Bankautomaten mit Blick auf den Kontostand, setzen wir die Fahrt über die E4 parallel zur Küste fort. Nach etwa anderthalb Stunden biegen wir in eine sehr kleine Straße ab, da ein Campingplatz ausgeschildert ist. Erstaunt nehmen wir wahr, dass es ein Platz des deutschen Camper Vereins ist.

Wer war eigentlich dieser Asphalt ??

Wer war eigentlich dieser Asphalt ??

Oha – das erste Mal checken wir in unserer Muttersprache ein. Es ist ein sogenannter Naturcampingplatz. Das heißt, dass man erstens ziemlich alleine ist und es weder Parzellen noch irgendwelches Luxussanitär gibt.

Kaum stehen die beiden Zelte, öffnet der Himmel seine Schleusen und gießt aus allen Leitungen. Immerhin hat die Tour Sinn für Humor, denn wir mussten in 16 Tagen bisher noch nie im Regen aufbauen. Toi toi toi…

Morgen legen wir einen „off day“ ein. Wir wollen Wandern, da es hier im Nationalpark Skuleskogen eine beeindruckende Felsformation mit engen, begehbaren Schluchten geben soll. Hoffentlich klemme ich mir die Hand nicht ein, wie dieser Typ in den USA 😉 .

Und es gibt eine Neuigkeit: Es wird endlich wieder dunkel. Zumindest dämmert es etwas. Ein herrlicher Regenbogen, gebettet in einen Vanilla Sky steht über uns, als wir ein paar Bier in einem trockenen Pavillion geneißen und die Route für die kommenden Tage besprechen. Was für eine Freude wird das, wenn die Sonne endlich mal wieder richtig untergeht. Wozu habe ich sonst diese schicke Stirnlampe eingepackt?

Es geht nach Süden....

Es geht nach Süden….

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12.7.2013: ca. 10 km vor Kalixälven – Buträsk ( 5169 km m.d.M. )

Schicker Hintern..

Schicker Hintern..

Manchmal fährt man durch Deutschland und sieht hier und da diese bunten Holzhäuser mit weißen Rahmenelementen und denkt sich: „Typisch schwedisch!“. Auch Ikea versucht uns ja weiß zu machen, dass ganz Schweden aussieht wie eine Seite aus dem aktuellen Katalog. Allein stehende Häuser, eine schaukelnde Veranda, eine schwedische Flagge und ganz viel Bullerbü. Und wisst ihr was? – genau so sieht´s hier tatsächlich aus. Wir haben inzwischen jede Menge Kilometer in diesem Land zurückgelegt und können ein Lied von diesen schnurrgeraden Straßen durch Birkenwälder und kleinen Siedlungen singen.

Mit vollem Gepäck durch die Pampa!

Mit vollem Gepäck durch die Pampa!

Es ist 16:15 Uhr. Wir haben unseren wunderbaren Zeltplatz längst hinter uns gelassen und fahren seit Stunden im Zickzack Richtung Süden, um irgendwie küstennah die E4 zu umgehen. Wir haben von Anders ein paar Tipps im Gepäck und wollen uns den Weg nach Oslo möglichst sehenswert gestalten. Wir fahren nach Boden und biegen auf die 356 und später auf die 374. Nach Pitea nehmen wir erneut einen Umweg in Kauf und landen mittels Offroad-Einlagen auf der 373. Gerade haben wir unsere Pause an einem See beendet. In aller Ruhe haben wir unsere Adventure-Menüs am Ufer gekocht und ein wenig in der Sonne gesessen. Die Gegend um unseren Platz ist von feinem Staub bedeckt und lädt mich mehrfach zum Hindernisfahren über die Hügelchen ein. Irgendwann wurde unsere Ruhe von jungen, schwedischen Leuten gestört. Sie haben seltsame Mobile dabei, die aussehen wie eine Kreuzung aus Schneeraupe und Jetski. Scheint ein echter Trend hier zu sein. Tierisch laut sind die Zweitakter jedenfalls.

Kleine Pause..

Kleine Pause..

18:01 Uhr. Irgendwie merke ich langsam die letzten 16 Tage in den Knochen. Es gibt eine Phase auf dem Bike, von der ich gar nichts mehr weiß, völlig verloren in Tagträumen. Ich freue mich auf jeden Kreisel, an dem wir abbiegen, denn das sind die einzigen Schräglagen auf dem Motorrad. Es wird Zeit einen Platz für die Nacht zu finden. Aus Unterhosenknappheit steuern wir einen Campingplatz in Buträsk an. Leider ist niemand da an der Rezeption und wir müssen uns an einem Kiosk im Ort anmelden. Nun sitzen wir hier fast allein auf einer riesigen Wiese, etwas weiter findet ein Dorffest statt. Zig Violinenspieler und –spielerinnen sind hier und üben. Wir mussten tatsächlich beide eine „Camping Card“ kaufen. Argh… bisher hat es immer ohne geklappt. Es ist schon wieder 23:30 Uhr.. und immer noch taghell. Wo sind eigentlich die Unterhosen?

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11.7.2013 Hetan – ca. 10 km vor Kalixälven ( 4740 km m.d.M. )

2013-07-11 19.06.41

Gestern Abend lernten wir Anders kennen. Anders ist einer dieser Verrückten, die hier in Skandinavien immense Strecken mit einem Fahrrad zurücklegen, das ringsherum mit Taschen behangen und beladen ist. Er kommt aus Malmö und ist die Strecke zum Nordkapp tatsächlich mit dem Drahtesel geradelt. Irrer Typ! Jedenfalls haben wir uns prächtig mit ihm über schwedisches Bier, Ikea und das skandinavische Schulsystem unterhalten.

In Schweden treffen wir einen alten Freund wieder.

In Schweden treffen wir einen alten Freund wieder.

Morgens, gegen 9 Uhr kommen wir endlich aus den (Isomatten-) Federn. Anders sitzt bereits in der Küche und füllt seine Trinkflaschen auf. Er will weiter Richtung Heimat. Wir lassen uns richtig Zeit und genießen die Ruhe auf dem fast leeren Campingplatz. Nur die Mücken…

Beim zweiten Kaffee beschließen wir unsere Route für die nächsten Tage. Anders hat uns ein paar wertvolle Tipps gegeben und wir entscheiden uns dafür, das inzwischen beste, finnische Wetter mit nach Schweden zu nehmen.

Zwei Stunden später haben wir Anders mit seinem Rad überholt und die schwedische Grenze passiert. Von Finnland aus nehmen wir die 93 nach Westen und biegen schließlich auf die E8 ab. Die Sonne lacht und es sind über 23 Grad. Ein herrliches Fahren auf den Straßen ohne Kurven und ohne ein Ende. Wälder, Wälder, Wälder und hier und da sein See oder Fluss. Die Straßenqualität schwankt stark von gutem Teer bis hin zu sandigen Abschnitten. Schweden heißt uns herzlich willkommen und wir brausen mit knapp 100 Km/H relativ entspannt auf dem einsamen Asphalt.

Ein glückliches Händchen mit unserem Zeltplatz in der Wildnis

Ein glückliches Händchen mit unserem Zeltplatz in der Wildnis

In Schweden fahren wir über die 99 bis Parjada und bewegen uns weiter auf der 392. Am späten Nachmittag ist es dann soweit: Wir überqueren erneut den Polarkreis und freuen uns, dass es in wenigen Tagen nachts wieder zumindest dämmert.

Gegen 17 Uhr beschließen wir, langsam nach einem Platz für die Nacht zu suchen. Natürlich plädiere ich fürs Wildcampen und kann gerade noch aus den Augenwinkeln eine große Wiese mit hohem Gras hinter den Bäumen am Straßenrand ausmachen. Wir fahren eine Böschung über grobes Geröll und relativ tiefe Erdlöcher hinab, auf die große Wiese direkt am Fluss. Ich bin begeistert. Ein herrlicher Ort zum nächtigen und grillen. Schnell sind Grill, Tisch und Zelte aufgebaut. Bei Abendsonne sitzen wir mit ein paar Carlsberg völlig allein in der Pampa und essen das krosse Fleisch vom Spieß. Die Sonne brennt gegen 21 Uhr immer noch hoch oben am Himmel. Viel besser kann es nun nicht mehr werden…

Unsere Schlafstätte - ich bin sehr glücklich gerade :)

Unsere Schlafstätte – ich bin sehr glücklich gerade :)

 

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Nordkapp – Hetan ( 4432 km m.d.M. )

Trophäen..

Trophäen..

Es war Sturm. Nachdem sich das Kapp mit Nebel gefüllt hatte, zog der Wind stark an. Stärker sogar als auf den Lofoten. Ich musste um halb zwei Uhr nachts einmal aus dem Zelt, um es neu abzuspannen und um es gegen die teils sehr heftigen Böen zu sichern. Wenn man noch nie hier war, kann man sich wahrscheinlich schlecht vorstellen, dass man nachts zwischen 1 und 2 aus dem Zelt steigt und die Sonne sieht. Nebenan waren gerade zwei Mädels dabei, ihr Zelt mit Tape zu fixen. Wieder im Zelt gab es Ohrstöpsel auf die Lauscher und die Sturmmaske über die Augen gegen die Helligkeit. Ich schlafe wie ein Baby, trotz Sturm.

Zum ersten Mal werde ich nach Basti wach, der bereits sein Zelt zusammengefaltet hat. Der Wind bläst weiterhin kräftig – wenigstens kein Regen. Ich versuche meine Sachen in die Packrollen zu stopfen. Als die Bikes bepackt sind, besuchen wir ein letztes Mal die Nordkapphalle und die anschließende Weltkugel auf der Klippe.

Alter Finne - ne Menge Kilometer heute.

Alter Finne – ne Menge Kilometer heute.

Als wir das Nordkapp verlassen, stehen die Motorräder schier schräg im Wind. Die Straße zurück zur E6 gestaltet sich als wahres Abenteuer. Wir brauchen etwa anderthalb Stunden bis wir nach links abbiegen und den Ort Karasjohka ansteuern. Immer wieder kreuzen Rentiere unseren Weg. Mitunter liegt sogar ein totes Tier am Straßenrand. Wahrscheinlich hat es die Straße vor dem Wohnmobil nicht mehr rechtzeitig passieren können.

Rudolph überall

Rudolph überall

Wir biegen rechts auf die 92. Die Natur ändert sich radikal. Endlose Straßen werden von unzählbaren Bäumen bewohnt. Keine Häuser, keine Tankstellen, kaum Kurven – nur die Straße. Manchmal nutze ich meine Kopfhörer, manchmal genieße ich die Einsamkeit auf dem Bike und denke nach. Viel Zeit vergeht und wird wohl die nächsten Tage auf dem Bike vergehen.

Die Sonne lässt sich immer öfter blicken. Es wird wärmer. Einige Stunden später sagen wir „Goodbye Norway – Hello Finland!“. Es wird langsam Abend und wir steuern den erstbesten Supermarkt an. Die Preise sind für deutsche Verhältnisse massiv teuer, doch gegenüber den norwegischen Gegebenheiten ein absolutes Schnäppchen. Wir statten uns mit dem Nötigsten aus und fahren den nächsten Zeltplatz an. Die Sonne bleibt, wie immer, über dem Horizont stehen. Nur wenige Wolken sind zu sehen und wir genießen die Sonne beim Aufbau der Zelte. Eine neue Herausforderung deutet sich an: Millionen von Stechmücken scheinen schon auf uns gewartet zu haben.

Moskitoalarm!

Moskitoalarm!

 

 

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9.7.2013: Langfjordbotn – Nordkapp ( 3961km m.d.M. )

Top of Europe.

Top of Europe.

Wir haben es geschafft.

Als wir die Hütte gegen 11 Uhr verlassen, ziehen große, dunkle Wolken über die Ebene. In den nächsten Stunden geraten wir immer wieder in Regenphasen. Wir bleiben jedoch, im Vergleich mit dem gestrigen Tage, weitgehend trocken. In Alta, der letzten richtigen Stadt hier so hoch im Norden, kauft sich Basti eine neue Isomatte, die alte hatte sich ja schon vor zwei Tagen verabschiedet und auf mein Bereden hin gönnt er sich gottseidank etwas Gutes. Sein Rücken und sein Schlaf werden es ihm in den nächsten neun Tagen danken. Ich erstehe endlich neue Kopfhörer. Die langen Straßen in Schweden verlangen nach etwas Entertainment.

Als wir ein Hochplateau erreichen, wird es immer kälter. Plötzlich bremst ein Wohnmobil vor mir. Kaum zu glauben, aber eine Herde Rentiere rennt mitten über die Straße. Immer wieder sehen wir die faszinierenden Tiere nun am Wegesrand. Einmal überfährt Basti den armen Rudolph sogar fast, schafft es aber gerade noch geschickt auszuweichen.

Die Attraktion

Die Attraktion

Die Strecke zieht sich. Wo zunächst noch Birken stehen, weichen diese mehr und mehr einer kargen Mooslandschaft. Nur noch vereinzelnd Bäume, dann außer Steinen und Gräsern gar nichts mehr. Die Straßen sind fast leer, nur ab und an begegnen wir Caravans. Bis zum Horizont scheint der Asphalt zu reichen, dann eine Kurve, dann wieder soweit das Auge reicht. Langsam meldet sich meine Spritanzeige. Wo eben noch 90 Km Reichweite stand, stehen nun nur noch 21 und weit und breit keine Tankstelle in Sicht. Oje. Ich lasse den Boxer im sechsten Gang bei 70 Km/h rollen und kupple bergrunter immer wieder aus. Die Straße will und will nicht enden. Langsam überkommt mich etwas Panik. Selbst wenn Basti es noch bis zur nächsten Tanke schafft, würde es sicher lange dauern, bis er mit einem Kanister wieder hier ist. Derweil würde ich hier mitten im Nirgendwo auf sonstwieviel Metern Höhe zwischen riesigen Hirschen stehen. Also hoffen.

Wenige Minuten später immer noch kein Aufatmen. Die Anzeige zeigt noch genau 1 KM Reichweite an. Dann ist der Tank leer….

Zumindest sagt das mein Bordcomputer. 0 KM Reichweite. Aber die GS kämpft und kämpft, als wüsste sie, dass ich mich in diesen Minuten auf sie verlassen muss. Sie fährt noch über 15 Kilometer weiter, bis endlich, endlich eine Statoil Reklame in mein Sichtfeld rückt. Ich muss den Tank beim letzten Mal nicht ganz vollgefüllt haben, dass er so früh schlapp macht. Mehr als erleichtert machen wir uns fertig für die Weiterfahrt, als ein Bus voller Rentner aus Österreich neben uns hält. Wir scheinen eine Art Touristenattraktion zu sein, denn was nun folgt, sind zig Smalltalks mit neugieren Pensionären. Sie fragen, woher wir kämen, ob wir wirklich mit dem Motorrad hergekommen seien und dann auch nur mit Zelten bepackt?! Dann werden noch Erinnerungsfotos mit uns geschossen. Ich bin etwas perplex.

Am Ende der E6 biegen wir ab. Das Schild sagt „Nordkapp“ an. Es sind noch über 100 KM auf dieser einen Küstenstraße, bevor wir das „end of the road“ erreichen. Ich hätte von nun an mit Bussen en mass und unzähligen Wohnmobilen gerechnet, aber letztlich bleiben wir meist allein auf der Strecke. Es ist eine schöne Fahrt so kurz vorm Ziel, eine würdige letzte Etappe vor dem Kapp. Langgezogene Kurven durch die Mondlandschaften, vorbei am Wasser und hinauf auf hohe Felsen. Dann der legendäre Nordkapptunnel. Auf den sieben Kilometern geht es von Beginn an steil bergab. Man hat das Gefühl, man führe vom Himmel durch die Welt zur Hölle, als wolle einen das dunkle Rattenloch direkt verschlucken. Nach vier Kilometern dann der Aufstieg.

Wir passieren das letzte Örtchen in der Komune Nordkapp und gelangen gegen 16:30 Uhr endlich an den wichtigsten Punkt unserer Reise. Als ich die große Kugel über der Nordkaphalle sehe, dröhnt ein Freudenschrei aus dem Visier. Ich hupe reiße die Arme nach oben. Geschafft. Endlich da.

Normalerweise ist hier nichts als Nebel...

Normalerweise ist hier nichts als Nebel…

75 Tage Nacht und 75 Tage Sonnenschein – am Stück. Es ist ein extremer Ort und die meisten Tage im Jahr ist er in völligen Nebel getaucht. Wir haben tatsächlich Glück. Es klart auf und es bietet sich uns ein beeindruckender Anblick, der mehr an eine gemalte Leinwand aus Licht, Wolken und Himmel erinnert als an einen echten Horizont.

Nachdem wir die Halle durchschritten haben, brauche ich erst einmal eine Pause. Schon seit den Morgenstunden habe ich ein fürchterliches Stechen in der rechten Seite. Ich weiß nicht woher, aber das Laufen fällt mir ziemlich schwer. Wahrscheinlich etwas eingeklemmt im engen Hüttenbett.

Am Ziel!

Am Ziel!

Es geht hinaus durch die hinteren Türen. Hier steht das Wahrzeichen des Kapps. Hier steht die Weltkugel direkt an der Klippe am nördlichsten Punkt Europas. Hiernach kommt lange nichts mehr, von der Bäreninsel mal abgesehen. Viel, viel Wasser und dann irgendwann ewiges Eis. Hier ist der Scheitelpunkt unserer Reise. Die Tour macht eine Wende, um sich morgen mit voller Kraft vom Beckenrand abzustoßen.

Auf dem Sockel der Weltkugel jubeln wir wie Rocky, wenn er die Stufen in Phiadelphia erklimmt.

Gulasch am Nordkapp.

Gulasch am Nordkapp.

Später schlagen wie die Zelte direkt am Felsen auf. Ich habe darauf bestanden hier zu zelten, da ich die Magie dieses Ortes unbedingt auskosten möchte. Es gibt heute Gulasch, lange hat es nicht mehr so gut geschmeckt. Nach dem Essen gehen wir erneut in die Halle. Im Keller läuft neben der Ausstellung ein Film über diesen Platz am Kopf von Norwegen. Danach setzen wir uns kurz in mein Zelt und stoßen auf den Tag an. Für eine kleine Flasche Sekt war gerade noch Platz im Budget. Eigentlich wollte ich mir die Mitternachtssonne von hier ansehen, doch in dem Moment, als wir das Zelt verlassen, hat sich die Welt um uns herum wieder einmal völlig verändert. Tiefster Nebel schwebt überall. Man kann die Hand kaum vor Augen sehen. Es bleibt nur der Weg in den Schlafsack. Ab morgen fahren wir Richtung Süden. Es geht nach Hause.

2013-07-09 20.07.43

Eine Nacht am Kapp.

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8.7.2013 ( Skibotn – Langfjordbotn ( 3644 km m.d.M. )

...one more rainy day.

…one more rainy day.

Endlich mal wieder ausschlafen. Da wir heute weder Fähre noch Walkutter bekommen mussten, lagen wir bis 9 Uhr in der Koje. Eigentlich wollten wir nun in Ruhe einpacken, frühstücken und dann ab auf die Bikes. Die Tour wollte uns heute aber anscheinend noch einmal so richtig auf die Probe stellen. Es hörte zunächst nicht auf zu regnen. Zum Glück waren wir heute auf einem Campingplatz. Wir saßen also fast zwei Stunden in einer überdachten Küche und schauten aus dem Fenster, während der Kaffee kochte. Irgendwann wurde es dann Zeit und wir mussten unser Equipment im Nieselregen schnell in den Koffern und Packrollen verstauen. Das Nass von oben verteilte sich schnell auf allen Gegenständen, aber da es am Horizont weiter hinten relativ hell wurde, waren wir guter Dinge. Überhaupt hat uns dieses ausgedehnte „Frühstück“ beiden sehr gut getan. Die Stimmung hat ihren Tiefpunkt wieder verlassen und eine neue Euphorie macht sich breit. Der Tour gefiel das anscheinend überhaupt nicht, denn was daraufhin folgte, kann man getrost als schwarzen Tag im Bikerdasein beschreiben.

Wer ist eigentlich Regen?

Wer ist eigentlich Regen?

14:15 Uhr: Es regnet seit über 100 Kilometern. Immer wieder denke ich, das Gröbste haben wir hinter uns, da zieht der Regen noch einmal an. Der Wind ist teilweise so stark, dass das Motorrad fast schräg steht. Kalte Gischt peitscht mir von den entgegenkommenden LKWs an den Anzug. Wir halten an und ziehen die Stormchaser über. Voll in Plastik eingewickelt, setzen wir die Fahrt fort. Wir fahren die E6 entlang, passieren Fjorde und Tunnel. Unser Tagesziel ist Alta. Die Landschaft hat sich wieder enorm verändert. Immer mehr Birkenbäume tauchen am Straßenrand und auf den weiten Wiesen auf, oftmals bereits abgeknickt. Es wird karger, die Tour fiebert ihrem Höhepunkt entgegen.

Weitere zwei Stunden später sind die Schuhe durchgeweicht, trotz Goretex und allem. Das Wasser kriecht in alle Ritzen, das Visier beginnt immer wieder zu beschlagen. Ich muss zugeben, dass ich mir von Basti manchmal etwas mehr Abenteuerlust wünsche, doch vielleicht macht gerade dieser ewige Diskussionspunkt zwischen uns die Gemeinschaft aus. Immerhin sind wir nun seit 13 Tagen ununterbrochen zusammen. Nach über 200 Km vollster Dröhnung aus den Wolken fährt er rechts an und bestimmt, dass wir uns eine Hütte suchen. Ich hätte wahrscheinlich zum Zelten tendiert, was retrospektiv eine dumme Idee gewesen wäre. Wir sind nass bis auf die Haut – vor allem die Füße schwimmen in den Stiefeln. Kurzer Hand werden ein Grill gekauft, Fleisch geordert und ein paar Bier an den Start geholt.

Post ist da!!

Post ist da!!

Wir steuern die nächste Hütte an. An der Rezeption klebt ein Zettel, wir sollen eine Nummer anrufen. Wenig später stellt sich heraus, dass die Vacation unser Budget maßlos sprengt. Wir sind ja gewohnt, dass alles hier (sau-)teuer ist, aber 120 Eur für eine Nacht in einer Hütte befinden wir letztlich doch als etwas exorbitant. Also weiter. In Langfjordbotn fahren wir die nächste „Hytte“ an. Ein absolut ranziger Schuppen. Im Mülleimer liegen Damenbinden, der Kühlschrank hat scheinbar mehr Gattungen aufzuweisen als der Hannover Zoo und die Bettwäsche sieht nach Obdachlosenauffangstation aus. Egal, es ist trocken. Einzig witzig finde ich, wie lieb ich auch inzwischen mein Zelt gewonnen habe. Selbst Basti würde seins der Hütte vorziehen, und das will mal was heißen!

So, ich muss weg vom Notebook. Der Grill brennt bereits, das Bier ist offen. Morgen geht’s zum Kap. Ich kann es kaum noch erwarten.

Das Kap zum Greifen nah...

Das Kap zum Greifen nah…

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7.7.2013: Stö – Skibotn ( 3437 km m.d.M. )

bye bye Lofoten...

bye bye Lofoten…

 

Auf dem Dampfer gen Festland!

Auf dem Dampfer gen Festland!

Es war schon eine große Enttäuschung als wir vor dem Büro der „Arctic Whale Tours“ standen und uns eine Dame der Crew mitteilte, heute würde aufgrund des starken Wellengangs kein Schiff rausgehen. Tatsächlich gestaltete sich die Nacht als ziemlich rau. Der Wind zog tierisch an und fühlte sich im Zelt wie ein kleiner Orkan an. Dazu gesellten sich Regenschübe, die heftigst gegen das Tarp peitschten.Teilweise bin ich nachts aufgewacht und habe die Stangen von innen zurückgedrückt, da das Außengestell das gesamte Zelt nach innen verformte. Gegen 7:00 Uhr dachte ich, wir müssten im vollen Regen abbauen, um den Walkutter rechtzeitig zu erreichen. Pünktlich um 7:32 Uhr machte der Schauer eine Pause. Jetzt hieß es: schnell handeln. Sogar die Sonne schaute minutenlang zwischen den Wolken hervor.

Den Rest der Geschichte kennt ihr ja bereits. Wir haben daraufhin etwa 2-3 Stunden die Lofoten gen Norden durchquert bis zum Hafenort Andenes. Auch hier werden Walsafaris angeboten – jedoch nicht heute. Windstärke 7 heißt es. Selbst wenn wir mit dem großen Katamaran rausfahren würden, wären die Wellenberge wahrscheinlich so hoch, dass man kaum etwas von den Meeresgiganten sehen könnte. Was sich die Tour nur dabei gedacht hat? Ich vertraue weiterhin auf ihre Intuition.

schnell ein Essen für uns zwei.

schnell ein Essen für uns zwei.

Beim Suchen der Fähre kommt Frust auf. Wahrscheinlich eine Mischung aus Entäuschung über die geplatzte Safari, den wieder einsetzenden Regen und letztlich die addierten Strapazen der letzten 11 Tage. Ja, elf Tage ist es bereits her. Und bis auf die Besteigung des Kjerags haben wir im Schnitt jeden Tag zwischen 8 und 10 Stunden auf dem Motorrad verbracht. Neben dem Zelt ist mein Bike gerade mein einziges Zuhause und ich freue mich jedes Mal, wenn ich von der Fähre komme und wieder aufsteigen darf. Es tut gut, nach dem Aufstehen, Abbau und Kaffee endlich wieder auf der Straße zu sein, Kilometer zu reißen, verschiedene Gerüche im Wald oder an der Küste einzuatmen und die Temperaturschwankungen zwischen 0 und 2500 Metern direkt zu erfahren. Ich denke, mein Bike braucht einen Namen – muss mir nur noch einen guten überlegen. „Lucy“ ist leider schon besetzt..

Wieder auf norwegischem Festland machen wir zunächst Rast für eine Mittagspause. Auch hier in den Bergen herrscht ein enormer Wind und der Benzinkocher hat Mühe, das Wasser zum Blubbern zu bringen. Wir fahren die 86 in Richtung Westen. Die Straße wird immer schlechter. Grober Asphalt, der von Schlaglöchern gezeichnet ist, wechselt sich mit Schotterpassagen ab. Ein Freudenfest für unsere Heidis. Das Highlight des Tages war ein Hotdog an einer Tanke für sage und schreibe 10 (!!) NOK, das sind ungefähr 1,50 Euro. Ein echtes Schnäppchen in einem Land, in dem ein Hamburger sonst 15-20 Euro kostet.

Eine ganze Weile später landen wir auf der E6. Sie wird uns die nächsten beiden Tage nach Alta und dann zum Kap bringen. Das Nordkap. Mittwoch wollen wir es schaffen. Noch zwei Tage bis zum Ziel.

Zelte stehen... zum ersten Mal gibt´s echten Mückenalarm!

Zelte stehen… zum ersten Mal gibt´s echten Mückenalarm!

 

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6.7.2013: Geitvagen – Stö ( 3073 km m.d.M. )

...ganz schöner Seegang.

…ganz schöner Seegang.

Ein wenig Hetze kommt auf, da wir die Fähre unbedingt bekommen müssen und sich der Abbau des Camps manchmal etwas hinzieht. Pünktlich um 9 Uhr stehen wir am Anleger in Bodö und ordern Tickets für die Überfahrt nach Moskenes. Wir lernen, wie so oft, einige andere Motorradfahrer, dieses Mal aus Italien und den Niederlanden kennen, die auch auf die Lofoten übersetzen wollen. Im Bauch des Schiffes werden die Bikes ordentlich verzurrt, dies geschieht über besonders dicke Gurte, die die BMWs tief ins Fahrwerk drücken. Oben auf der Fähre gibt es Tische und gemütliche Stühle. Wir schnappen uns eine Sitzgruppe nahe des Bordrestaurants, packen den zuvor gekochten Tee und etwas zu lesen aus.

Als wir das offene Meer erreichen, wird klar, warum die Motorräder solch sicheren Halt benötigen. Der Seegang ist relativ heftig und Geschirr und Menschen stolpern durch die Gänge. Es dauert nicht lange, da wird uns beiden gehörig schlecht und wir suchen das Sonnendeck auf, um ein wenig frische Luft zu schnappen. Draußen riecht es gewaltig nach Diesel, aber es ist halbwegs warm. Einige Zeit später lässt sich sogar die Sonne blicken.

Meine treue Begleiterin. Best Bike in the World :)

Meine treue Begleiterin. Best Bike in the World :)

Die Überfahrt dauert ganze vier Stunden und wir sind froh, anschließend endlich auf den Bikes zu sitzen und wieder auf der Straße zu sein. Schon der erste Eindruck der Lofoten ist atemberaubend. Kaum haben wir ein kleines Fischerdorf passiert, tut sich eine Bucht auf, die so gar nicht in das bisherige Norwegenbild passt. Weißer Sandstrand und türkises Wasser. Verrückt. Wunderschön. Wenig später landen wir auf einer Hauptverbindungsstraße zwischen lauter Wohnmobilen und Autos. Die Landschaft wird von Nebel verdeckt und es geht erst einmal nur geradeaus. Hinzu fängt es an zu regnen. Der Wind wird immer stärker und teilweise ist es schwer, das Motorrad gerade zu halten. Ich versuche es wie immer positiv zu nehmen und als Herausforderung zu sehen. Die Tour scheint sich ja etwas dabei gedacht zu haben, also ziehen wir auf der Fähre, die uns von Fiskeböl nach Melbu bringt, den Regenkombi über und nehmen bei nächster Gelegenheit eine kleine Nebenstraße direkt an der Küste. Es soll sich lohnen. Feinste Kurven schlängeln sich nun durch die Ebenen. Die Heidis, unsere grobstolligen Reifen, machen auch bei Nässe ein gutes Bild und die Bikes werden trotz voller Beladung ordentlich in die Schräge gepresst. Wir machen Kilometer für Kilometer und lassen uns vom Boxer und Twin in den nördlichen Teil der Vesteralen bringen. Alles um uns herum wird immer beeindruckender und mir wird klar, warum die Lofoten solch ein Traumziel vieler Reisender sind. Im Nebel ist Vieles nur schwach zu erkennen und lässt die herausragenden Massive fast unheimlich erscheinen. Immer wieder treffen wir auf filmreife Kulissen.

Die Lofoten.

Die Lofoten.

Unterwegs rufe ich bei einer Agentur an, die Whalewatching vom Kopf der Insel aus anbietet. Wäre es nicht fantastisch, mit einem Boot von dieser Hochseeinsel raus aufs offene Meer zu fahren, um die größten Tiere des Planeten einmal in freier Wildbahn zu sehen? Die Frau sagt mir, es seien noch zwei Plätze morgen früh unbesetzt und wir sollen um 9 Uhr auf der Matte stehen. Solange der Wind nicht zu stark wird, fahren wir raus in Richtung ewiges Eis. Dort sollen um diese Jahreszeit Gruppen von Orcas und Pottwahlen anzutreffen sein. Wow.

Unser Camp für heute Nacht

Unser Camp für heute Nacht

In Stö angekommen, befahren wir ein paar Stunden später eine kleine, schottrige Küstenstraße bis zum Ende. Hier gibt es nur noch Moos, etwas Gras und vor allem Felsen. Wir schlagen unsere Zelte auf. Der Wind ist brutal und weht fast alles von der Bildfläche, das nicht am Boden angenagelt wird. Zum Glück haben wir eine Axt dabei, die nun als Hammer zum Einschlagen der Heringe dient. Zusätzlich müssen Steine herhalten, um die Zelte zu beschweren. Einmal fliegt Bastis gesamtes Zelt durch unser Camp und reißt einfach mal alle Heringe mit aus. Der Arme – hat doch schon seine Isomatte (Anja würde sagen „Knackmatte 😉 ) heute Morgen den Geist aufgegeben.

Im Rücken unseres Camps befindet sich eine ca. vier Meter hohe Felswand. Ich erklimme sie und mir stockt fast der Atem. Die Aussicht ist wunderschön. Ich beschließe, mich gegen 00:00 Uhr hier auf diesen Fels zu setzen und auf die Mitternachtssonne zu warten. Jetzt gerade koche ich heißen Tee. Basti geht bereits schlafen und ich hoffe, ich halte im kalten Wind noch eine Weile aus.

Morgen werden wir Wale sehen.

Blick vom Camp aus. Atemberaubend schön!

Blick vom Camp aus. Atemberaubend schön!

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