5.7.2013: – Ägärd – Geitvagen ( 2796 km m.d.M. )

Es sollte ein Rennen mit der Zeit werden.. und wir haben es verloren. Wer hätte gedacht, dass es doch noch so lang bis Bodö ist? Wir zumindest nicht, denn wir wollten früh von der Insel und entsprechend zeitig am Hanger stehen, um die Fähre nach Moskenes zu nehmen. Natürlich kam alles anders. Aber von vorn..

Es ist 3:17 Uhr: ich werde wach, denn es fängt an zu regnen. Gestern war Waschtag und alle Kleider hängen noch immer draußen an der Leine. Wenn wir die nächsten Tage nicht mit ständig feuchtem Textil in der Packrolle herumfahren wollen, müssen wie die noch klammen Shirts und Socken schnell in Sicherheit bringen. Wir in Trance hängen wir alles ab und verstauen es schnell unter der Apside des Zelts. Übrigens eine verrückte Sache, dies bei absoluter Helligkeit zu dieser Uhrzeit zu tun.

Überquerung des Polarkreises - ein epischer Moment!

Überquerung des Polarkreises – ein epischer Moment!

Es ist 6:31 Uhr: Ich erwache erneut. Das Zelt bebt und schüttelt sich gewaltig. Es prasselt aus Kübeln. Monsunartig ergießt es sich über unsere Behausungen. Ich überprüfe unter Mühen alle Heringe und vor allem die Sachen unter dem Vorzelt. Scheint zu halten. Ich schlafe nochmal ein und erwache erneut etwa eine Stunde später. Immer noch regnet es enorm. Herjee – wir sollen wir das Zelt bloß bei diesem Wetter zusammenpacken? Es dauert noch zwei weitere Stunden, bis Petrus den Hahn halbwegs abdreht. Das Gras platscht unter meinen Stiefeln. Alles überflutet. Wir warten noch etwas ab und siehe da: die Sonne lässt sich blicken. Also schnell raus aus dem Zelt und mit dem Abbau beginnen.

Eine halbe Stunde später stehen wir in einer offenen Küche in der Nähe und bekommen frisch gefangen und gebratenen Fisch einer netten Dame polnischer Nationalität angeboten. Bei aller Zeitnot können wir diese Offerte nicht ablehnen.

die Tour hinterlässt Spuren...

die Tour hinterlässt Spuren…

Um ca. 11 Uhr geht es endlich rauf aus Bike – viel zu spät, aber wir wollen es dennoch versuchen. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt. Wir nehmen die erste Fähre und landen in Nesna. Es ist wieder leicht regnerisch und Basti streift seine Regenkombi über. Während ich so hinter ihm hertrotte, wird mir klar, dass sich meine Einstellung zur Situation grundlegend geändert hat. Eine gewisse Akzeptanz stellt sich ein, fast schon ein Art des Genießens. Die Straße ist nass, auf meinem Visier perlen die Tropfen, der Wind zerrt an meinem Bike und meiner Kleidung, aber mir ist warm. Ich blicke hinaus auf die fantastischen Formationen von Wasser, Felsen, schneebedeckten Gipfeln, Fjorden und Wäldern und merke, dass ich mehr und mehr selbst Teil von dem Ganzen hier werde. Die Tour hat längst das Kommando übernommen und ich lasse mich mittreiben.

Am Ende der Insel passieren wir Kilboghamn und steigen auf die Fähre. Ein besonderer Moment auf dem Wasser steht an: die Überquerung des Polarkreises. Als es dann soweit ist, bleibt zwar jedes Feuerwerk aus, für mich ist es aber dennoch ein wichtiger Punkt auf unserer Reise. Von nun an bleibt die Sonne nur noch oben, von nun an haben wir die Heimat komplett hinter uns gelassen und haben nur noch eins vor Augen: das Kapp!

...auch am zweitbesten Bike der Welt... ;)

…auch am zweitbesten Bike der Welt… ;)

Vorher sollte es auf die Lofoten gehen, die berühmten Lofoten. Tatsächlich wird aber eine weitere Fähre später die Zeit knapp und knapper. Ein Tankstopp zwingt uns zur Aufgabe: Wir werden es nicht rechtzeitig schaffen. Etwas Frust macht sich breit.

Wir beschließen die E17 weiter bis Bodö zu fahren, uns Informationen und gegebenenfalls Tickets für die 4-stündige Überfahrt zu holen. Danach verlassen wir die Stadt wieder gen Norden und steuern einen Nachtplatz vor den Toren Bodös an. Es wird eine kurze Nacht werden… aber wir haben unds Bier gegönnt! Morgen um 10:15 Uhr geht die Fähre.

 

 

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Ägärd – Levang ( 2491 km m.d.M. )

Warten auf die Fähre... bestimmt 5 oder 6 Mal heute.

Warten auf die Fähre… bestimmt 5 oder 6 Mal heute.

Countryside

Countryside

Als Inselhopping könnte man unseren Tag zusammenfassen. Die Sonne lacht uns entgegen, als wir auf der legendären E17 gen Norden fahren. Diese Straße soll uns die nächsten zwei Tage bis Bodö begleiten und wir schließen auch schnell Freundschaft. Nun könnte man denken, dass man in Norwegen nur gerade aus fährt und es mit maximal 80 Klamotten in der Stunde wenig Spaß macht, die Kilometer zu reißen. Doch völlig Banane daneben: die schier unendlich lange Verbindung zahlreicher Inseln und verschiedenster Landschaften könnte abwechslungsreicher, ja sogar kurviger, kaum sein. Über Stunden lassen wir den Motor singen und tanzen mit den Bikes über den rauen Asphalt. Zeitweise treffen wir hier 30 Minuten lang kein anderes Fahrzeug.

Nach einigen Stunden und sage und schreibe 420 Km mit einer Tankfüllung steht die erste Fährfahrt von Holm nach Vennesund an. Zum ersten Mal schnuppern wir echte Meeresluft abseits der großen Fjorde und bekommen eine steife Brise in die Frisuren. So geht es weiter: von Insel zu Insel. Immer wieder durch kaum bewohnte Gebiete, über teilweise schlechte bis sehr schlechte Straßen. Auf einer besonders kleinen Insel machen wir Rast und ich zaubere ein feines, schleimiges Risotto für uns an unserem Privatstrand. Wir genießen die Einsamkeit, machen ein paar Aufnahmen für unseren Film und fahren weiter. Inzwischen hat sich die Landschaft schon wieder gewandelt. Wer hätte tatsächlich gedacht, dass es so hoch im Norden noch solche Berge gibt!?

Ab ins Bettchen..

Ab ins Bettchen..

Wir waren zwar beide noch nicht in Kanada, doch sieht so mancher Ausblick unserer Vorstellung vom Ahornland ziemlich ähnlich. Wir kommen gut voran, nur die Fähren bremsen unseren Zug nach oben. Kurz vorm Hafen nach Nesna stoppen wir und biegen in einen steilen Schotterweg ab. Er führt uns zu unserer heutigen Ruhestätte auf einer großen Wiese im kleinen Fischerörtchen Levang. Nach Bodö sind es noch reichlich Meilen – der Puls steigt, wenn alles nach Plan läuft, setzen wir morgen auf die Lofoten über. Die Lofoten!

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ca. 10 Kilometer vor Eresfjord – Ägärd ( 2172 km m.d.M. )

Morgens im Camp...

Morgens im Camp…

Es sollte ein Tag der Gegensätze werden. Schon gegen 6:30 Uhr springe ich aus dem Schlafsack. Unser Motto: „Sleeping rough on the road“ bekam in der Nacht eine ganz neue Bedeutung. Der Boden hier im Gebirge ist steinhart und ohne gute Matratze kaum erträglich. Was mich aber wirklich aus den Federn reißt, ist die enorme Hitze. Wie kann das sein um diese Zeit mitten in den Bergen? Ein Blick aus dem Zeltausgang genügt, die Sonne ballert in unser Camp aus blaustem Hause. Die Belohnung für unseren Mut bei unklarer und kalter Wetterlage hier zu übernachten.

Später sitzen wir mit Kaffee in unserem Camp und besprechen die heutige Route. Gewaschen wird direkt im Bergbach und gegen 9 Uhr verlassen wir mit unseren Bikes das Nachtlager.

Bis zur Fähre in Rykkjem, die uns nach Kvanne bringen soll, umfahren wir den idyllischen Sunndalsfjorden und setzen die Reise nach Norden fort. Auf der 65 gelangen wir nun weiter Richtung Trondheim, biegen aber zuvor auf Nebenstraßen ab, damit wir den Stadttrubel soweit wie möglich umgehen. Das erste Mal steht eine anspruchsvollere Schotterpassage auf dem Plan. Die BMWs zeigen, dass sie auch Abseits der Straße voran kommen können. Bei Melhus gelangen wir zwangsweise auf die E6, eine Art Autobahn. Wir sehen keine andere Möglichkeit und nehmen die nächste Strecke zwischen LKWs und Wohnmobilen in Kauf. Viele Kilometer folgen wir der norwegischen Verkehrsader schlechthin und kommen gegen 18 Uhr abends auf die E17 – unser Tagesziel. Der Hintern schmerzt und wir wollen endlich unsere Zelte aufschlagen, aber es bietet sich nichts an. Eine Dusche nach drei Tagen wäre schon nett. Das Wetter hat sich gehalten, teilweise zeigte das Thermometer über 27 Grad an. Auch jetzt gegen kurz vor 21 Uhr ist es nicht nur taghell, sondern auch immer noch überraschend warm.

Warten auf die Fähre

Warten auf die Fähre

 

Wir müssen noch eine Weile auf derE17 fahren, die Sonne im Rücken, und erreichen einen abgelegenen Campingplatz. Etwas verschroben ist es und an ein Hillbilly Camp erinnert das Lager, vor allem der Chef hier . Wir aber sind heilfroh, eine warme Dusche zu bekommen und unsere Wasser- und Kraftreserven für die nächsten Tage aufladen zu können. Eine Menge Asphalt passierte heute unsere Pneus – halb Norwegen haben wir inzwischen hinter uns gelassen. Das Kap rückt spürbar näher.

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Byrkjelo – ca. 10 Kilometer vor Eresfjord ( 1762 km m.d.M .)

Der Geiranger Fjord

Der Geiranger Fjord

Ich wache wieder früh auf. Die Helligkeit ist so verwirrend für den Körper, dass ich mehrmals nachts den Kopf hoch zum Fenster hebe und anschließend die Uhrzeit überprüfe. Um 7 Uhr scheint blauer Himmel durch das Fenster. Grund genug, um aufzustehen. Mein Geklimper mit dem Kochgeschirr weckt Basti, so dass wir etwa eine halbe Stunde später mit dem Kaffee auf der Veranda unserer Hütte stehen und einen kleinen Plausch mit dem Nachbarn, einem sympathischen Lehrer in Pansion aus Ost-Holstein, führen. Er hat das „Spritproblem“ hier in Norwegen auf seine eigene Weise gelöst und sich eine Dosenmaschine gekauft, mit deren Hilfe er literweise Alkohol in Tomatendosen füllt und ins Baltikum schmuggelt. Guter Mann. Ein anderer Campbewohner, der mit seinem Bike auf dem Weg nach Süden ist, schwärmt vom guten Wetter, das seine Gruppe bis am Tag zuvor begleitet hat. Warum haben wir eigentlich nicht solch ein Glück?!

Trollstige

Trollstige

Trotz Kaffeklatsch schaffen wir es, zeitig die Pferde zu satteln und weiter Richtung Norden zu fahren. Die E60 bringt uns nach Stryn, wo wir die falsche Richtung einschlagen und zu weit nach Osten driften. Leider fällt uns das erst eine ganze Zeit später auf und befinden und einige Stunden später am östlichen Rand des Geiranger Fjords. Umkehren wäre fatal, also beschließen wir die Fähre durch den gesamten Fjord zu nehmen. Eine gute Entscheidung, wie sich zeigen wird, denn die Aussicht vom Schiff ist gnadenlos beeindruckend. Welch eine Natur, die sich da von links und rechts die steilen Felsen bis zum Wasser herunter räkelt. Riesige Wasserfälle treffen auch überraschend fruchtbaren Boden am Fuße des Fjords, wo Obstbäume stehen. Diesen Ort hätten wir mit den Motorrädern niemals zu Gesicht bekommen. Zwischendurch überholt uns das berühmte Postschiff „Hurtigruten“. Nach ca. einer Stunde erreichen wir das westliche Ende und damit das Örtchen Geiranger. Hier liegen mehrere Kreuzfahrtschiffe, unter anderem die Aida, vor Anker.

Kaum von Bord lassen wir uns wie auf einem Korkenzieher die Serpentinen hochziehen, bis wir letztlich nochmal am Kopf des Fjords Rast machen. Wir kämpfen uns zwischen den Touristen durch und erhaschen einen letzten Blick auf den berühmten Flecken. Wow! Türkises Wasser zwischen filmreifen Felsmassiven.

...Troll getroffen.

…Troll getroffen.

Weiter geht es – immer weiter. Wir überfahren mehrere Pässe auf über 2500 Metern und gelangen anschließend nach Eidsal, von wo aus wir mit der Fähre nach Linge übersetzen. Was nun kommt, gehört zu den absoluten Highlights der bisherigen Tour: Trollstige. Dort, wo der Sage nach die Trolle bei Nebel anzutreffen sind, treffen wir auf die berühmte Abfahrt, die den Vergleich mit dem Stelvio in den Alpen kaum zu scheuen braucht.

Von einer Aussichtsplattform gibt es zunächst einen Überblick über das, was uns gleich erwartet. Mehrere Hände voll 180° Kurven den steilen Berg hinab, schlängelt sich die Straße vorbei an einem hochhaushohen Wasserfall und frisst sich bis an den Horizont ins Tal. Das Beste daran ist, dass es im Vergleich zum Stilfser Joch geradezu menschenleer ist.

Wir erreichen die Stadt Andalsnes, kaufen ein paar Dinge für den Abend und nutzen den noch frühen Abend, um den Tageskilometerzähler noch etwas zu pushen. Als wir den Parkplatz über eine schottrige Auffahrt verlassen wollen, rutscht mir der rechte Fuß auf den Steinen weg. Keine Chance, die sicher annähernd 300 kg schwere Maschine zu halten. Dafür sind diese ganzen Schutzverkleidungen also gut – es geschieht nämlich nichts, außer dass sie kurz auf dem Koffer und dem Schutzbügel aufliegt. Ich schaffe es sogar, das Bike allein wieder aufzurichten.

Lieber nicht herunter sehen :)

Lieber nicht herunter sehen :)

Die Fahrt um den Langfjorden gestaltet sich als Zitterpartie. Immer wieder ziehen dunkle Wolken über uns hinweg. Wir hoffen den bisher regenfreien Tag so fortsetzen zu können und halten bereits nach einem Nachtquartier Ausschau. Nach einer teuren Hüttenübernachtung und der kostspieligen Fjorddurchfahrt wollen wir zum Einen Geld sparen und zum Anderen endlich das Abenteuer, das wir uns von zu Hause aus immer vorgestellt haben: wildes Camping inmitten der Natur. Ich bin überglücklich, dass sich Basti darauf einlässt und muss an dieser Stelle sowieso einmal bemerken, dass sich der ehemals camping-feindliche junge Mann langsam zum Rüdiger Nehberg mausert.

Feuer machen für die Nacht.

Feuer machen für die Nacht.

Wir durchfahren einige kleine Orte, können aber nichts Passendes finden. Es geht wieder steil hinauf und wir passieren einen Pass auf etwa 500 Meter Höhe nahe Eresfjord. Hier schlagen wir unsere Zelte auf. Etwas abseits der Straße finden wir Schutz an einem Bergbach und errichten unser Camp.

Etwa 20 Minuten später sitzen wir an einem kleinen, störrischem Lagerfeuer und kochen uns heißes Bulgur-Kessel. Wir trinken ein paar Bier, aus finanziellen Gründen die letzten für diese Woche, und sitzen noch eine Weile in völliger Stille.

Morgen geht es weiter – nach Norden. Unser Ziel ist die E17, eine schon fast legendäre Küstenstraße, auf der u.a. zahlreiche BMW Werbefilme gedreht wurden.

Dudes..!

Dudes..!

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1.7.2013 Lofthus – Byrkjelo ( 1499 km m.d.M. )

Auf 2400 Meter - am 1. Juli - mitten im Schnee.

Auf 2400 Meter – am 1. Juli – überall liegt noch Schnee.

Die Sonne hat uns hat uns wieder verlassen. Tiefe Wolken stehen über dem Fjord als ich die Nase das erste Mal aus durch den Zelteingang strecke. Kleine Wasserperlen sammeln sich auf dem Außenzelt. Langsam kommen wir in Gang. Die letzten Tage auf den Bikes und die Klettertour zum Kjerag verlangen ihren Tribut.

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… auf dem Wasserweg.

Bei leichtem Nieselregen folgen wir der engen Straße entlang des Wassers und folgen der E13 Richtung Brimnes, von wo aus uns eine Fähre auf dem Wasserweg nach Bruravik bringen soll. Das Fährsystem in Norwegen funktioniert klasse, wahrscheinlich ist es auch die einzige Möglichkeit, die Infrastruktur irgendwie in Gang zu halten. Es geht weiter. Wir lassen die BMWs ordentlich Kilometer fressen und erreichen ein paar Stunden später Vangsnes. Im Fährhafen lernen wir einen Mann aus Kiel kennen. Er ist schon einige Male hier gewesen und lässt sich, wie wir, nach Norden treiben. Auch zwei Männer aus Tschechien erzählen von ihren Plänen, die Lofoten zu besuchen. Seit Beginn unserer Reise, und insbesondere seitdem wir in Norwegen sind, lernen wir täglich neue Menschen kennen. Die Motorräder scheinen ein idealer Kontaktmagnet zu sein. Schnell tauscht man sich aus: „von wo, wohin, seit wann, wie lange noch, gute Fahrt…“. Immer wenn wir von unserem Plan berichten, bis ans Kap fahren zu wollen, bekommen wir die gleiche Antwort: „Da habt ihr euch aber was vorgenommen“ oder „Lot of Kilometers from here..“.

Die nächsten Stunden wird der Regen stärker und wir beschließen, die Regenkombis erneut überzustreifen. Es prasselt und gießt anschließend richtig. Die Landschaft entschädigt: wieder wechseln sich Schnee- und Felslandschaften mit grünen Tälern jenseits von Wasserfällen und Flüssen ab. Inzwischen haben wir uns fast an den Regen gewöhnt, fragen uns aber um 17 Uhr, wo wir bei dem Regen bloß unsere Zelte aufschlagen sollen. Plötzlich macht der Regen eine Pause und vor Bastis GS türmt sich eine beeindruckende Felsformation auf. Eine mächtige Gletscherzunge ragt zig Meter herab. Kaum haben wir die Bikes abgestellt, um ein paar Fotos zu machen, hält ein Bus voller Asiaten neben uns. Sofort springen 40-50 Menschen heraus und halten ihre Tablets und Camcorder in die Luft. Als mich eine ältere, japanisch aussehende Dame fragt, ob ich ihr beim Fotografieren helfen könne, sage ich selbstverständlich zu. Völlig verblüfft bin ich aber, als ich merke, dass ich kein Foto von ihr und ihrem Mann machen solle, sondern, dass ihr Mann ein Foto mit mir (!) knipsen soll. So schnell wird man also zur Attraktion mit einem dreckbesudelten Motorradanzug. Als Basti noch mit ins Bild springt und die kleine Frau in die Mitte genommen wird, ist ihr Tag scheinbar gerettet. Ziemlicht seltsam, aber eine skuril – lustige Situation für uns.

Später, als wir Byrkjelo erreichen und der Regen noch stärker wird, kommt der Gedanke auf, eine Hütte zu buchen. Natürlich ist eine Günstige schon ausgebucht und wir diskutieren, ob wir uns die teure Hütte leisten wollen. Ich gebe letztlich nach und Basti Recht, dass es für heute das Beste ist, die Hütte zu nehmen. Wenn schon, denn schon sagen wir uns und kaufen im Supermarkt einen Sechser Bier für ein halbes Vermögen. Heute sind wir Könige. Könige bis morgen, denn dann geht es weiter. Immer nordwärts.

Zwei grandiose Ziele stehen auf dem Plan: der wunderschöne Geiranger Fjord und … der berühmte Pass Trollstigen. Unsere Nachbarn kommen von dort und sprachen von feinstem Wetter. Auch hier lichtet sich gerade die Wolkendecke….

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30.6.2013 Kjerag – Lofthus ( 1244 km m.d.M. )

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nordwärts… immer nordwärts

Kaum aufgewacht, reiße ich das Zelt auf. Es ist – heiß. Es ist tatsächlich heiß und sonnig. Wir können es kaum fassen und frühstücken bei feinster Sonne unter dem riesigen Wasserfall, dessen Ursprungsbach wir gestern noch von oben betrachten durfen.

Der Plan ist, mit einer Fähre durch den Lysford zu fahren. Es soll wunderschön sein und ist unsere einzige Möglichkeit gen Westen auf eine Straße zu gelangen, die uns weiter Richtung Norden  bringt. Dann die Enttäuschung. Die Fähre im Hafen legt erst gegen 15:30 Uhr ab. Das ist definitiv zu lange und wir würden wertvolle Zeit verlieren. Es bleibt nur eine Möglichkeit: zurück über den Pass auf die 9 und von da nach oben.

Es sollte eine gute Entscheidung werden. Zunächst schrauben wir uns die Serpentinen nach oben. Beim schönen Wetter wirkt die Gegend noch atemberaubender. Fast märchenhaft schlängeln wir uns über den Passt. 80 Km geht es auf sehr engen Straßen durch felsige Landschaft. Mooslandschaften und Wildbäche prägen das Bild. Immer wieder halten wir an und verweilen, machen Aufnahmen. Es ist wunderschön. Teilweise fahren wir kleine Ewigkeiten, ohne dass uns jemand entgegenkommt.

Was für ein Nachtlager!

Was für ein Nachtlager!

Von nun an geht es gerade nordwärts. Bis zum Abend befahren wir mehrere Pässe, passieren das hiesige Naturschutzgebiet Hardangervidda. Das ist endlich das Norwegen, von dem wir geträumt haben. Seen, Wälder, Wasserfälle.

Am Ende des Tages passieren wir Odda und beschließen noch ein wenig weiterzufahren. Am Ende spuckt uns das Navi einen Campingplatz in traumhafter Kulisse aus. Wir sitzen auf einem Plateau über dem Utnefjord. Die Abendsonne brennt und aus dem Zelt haben wir eine Postkarten Aussicht. Wir sind endlich in Norwegen angekommen.

Morgen geht es Nordwärts.

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29.6.2013 Kjerag ( 947 km m.d.M. )

Ich bin bereits um 5:00 Uhr wach. Der Regen tobt draußen, eine Sinnflut bricht über unsere Zelte herein. Kurz den Kopf rausgestreckt, dann schnell wieder ins Zelt. Die Wanderung wird wohl gechancelt bei diesem Wetter.

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Ein Erlebnis, das ich wohl nie vergessen werde.

Drei Stunden später sitzen wir mit Kaffee unter trockenem Himmel. Es sieht zwar nicht gut aus, doch wir wollen den Felsen unbedingt sehen. Also geht’s ohne Koffer ein paar hundert Meter hinauf zum Startpunkt. Von Beginn an wird es anstrengend. Bei heftigem Wind klettern wir die steilen Felswände hinauf. Tatsächlich muss geklettert werden, wobei uns Stahlseile, ähnlich einem Klettersteig, unterstützen. Die ersten 30 Minuten zehren an den Kräften. Basti stürzt sogar einmal – bis auf das Knie bleibt aber alles heil. Es kann weitergehen. Hinter der ersten Bergspitze lässt sich die Sonne wieder kurz blicken. Weiter und weiter. Wir treffen unterwegs immer wieder eine Wandergruppe aus Deutschland, die aber inzwischen in Norwegen wohnt, machen kleine Späßchen um uns von den Anstrengungen abzulenken.

Im Wechsel geht es nun voran. Immer wieder steil bergauf, teilweise anspruchsvolle Passagen, teilweise über grobes Gestein. Ein paar Mal muss ich Basti pushen, aber er hält wacker durch. Nach drei Stunden, die uns fast zur Aufgabe zwingen, haben wir es geschafft. Pünktlich mit der Sonne erreichen wir den Kjerag. Highlight dieses Ortes ist ein in über 1000 Meter eingeklemmter Fels in einer Felsspalte. Sehr Mutige trauen sich, auf den Fels zu klettern. Ich natürlich auch – wobei ich es im Nachhinein nicht mehr gemacht hätte. Es ist atemberaubend schön und beängstigend zugleich. Ich habe zittrige Knie auf dem Felsen und kurz sogar Angst, dass mein Kreislauf schlapp macht. Auf dem Felsen machen wir natürlich Fotos. Ich bin wie benommen, als ich wieder sicheren Boden unter den Füßen habe.

Der Abstieg wird hart. Wir schaffen es nach insgesamt über 5 Stunden wieder zum Parkplatz und kommen später erschöpft im Camp an. Morgen geht’s weiter – immer Richtung Norden. Ziel ist Odda.

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